Predigten

 

Inhaltsverzeichnis

 

Saisonabschluß Gottesdienst am 20.09.2009
 Thema :
„Auf der Durchreise“
oder „Sorge – Weshalb?“

Bikergottesdienst am 17.05.2009
in Büdelsdorf gehalten von
Peter - Pastor

Gedenkgottesdienst am 23.10.2005
Thema : "Strahlen der Hoffnung"

Mogo Predigt 2005
Thema : "Dort, wo Leben ist"

 

 

 

 

 

MOGO-Predigt 2005

 " Dort, wo Leben ist "


1. Teil Taufe / Abendmahl ( Holger Janke )

Kanzelsegen:

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott, unserm Vater, und  unserm Herrn, Jesus Christus! Amen.

 

Liebe Biker!

"Dort, wo Leben ist", da möchte ich sein! "Dort, wo Leben ist", da will ich hin! "Dort, wo Leben ist", dieses Reiseziel zieht mich an! Ich suche den Weg dorthin.

"Dort, wo Leben ist", da spielt Musik. Da ist der Mensch noch Mensch. Da gibt es kein oben oder unten, arm oder reich, schlau oder dumm. "Dort, wo Leben ist" sind alle verschieden, aber alle gehören zusammen! Alle teilen, was sie haben. Nicht unbedingt das Geld, aber die Höhen und die Tiefen des Älterwerdens, die Freude und den Schmerz, die Hoffnung und die Angst. Alle haben etwas beizutragen - weil es doch um das Leben geht!

"Dort, wo Leben ist", da möchte ich sein! Ich suche das Leben! Darum fahre ich Motorrad. Ich suche den Wind und das Gefühl der Balance. Ich fahre in der Hitze oder in der Kälte und spüre: Leben ist in mir!

Ich suche das Leben, aber nicht nur auf dem Motorrad, sondern auch hier in der Kirche. Hier an diesem Ort soll auch das Leben sein. Hier soll das Leben wohnen und es soll ansteckend sein. Darum bin ich hier!

In mir soll auch das Leben wohnen - Leben durch und durch!

Auch ich bin schon enttäuscht aus einer Kirche gegangen, weil dort für mich kein Leben zu finden war. Ich hörte viel Kluges, aber ich wurde nicht mit neuem Leben aufgetankt. Also musste ich mit dem Rest "Lebensreserve" weiterfahren - eine Zitterpartie, immer mit der Frage im Kopf: Wie lange wird´s noch reichen?

Das Leben in der Kirche ist genauso abhängig von den Gegebenheiten drum herum, wie das Leben mit dem Motorrad. Doch genauso wie es die Lieblingsstrecke gibt, die garantiert meine Sucht nach Kurven stillt, so gibt es auch in der Kirche, den garantierten Ort, wo Leben zu suchen und zu finden ist. Die Taufe und das Abendmahl schenken uns die Berührung mit Gott. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche, denn Gott selbst hat´s versprochen.

Diese Sakramente sind als "heilige Orte" unabhängig von der Tagesform des Bodenpersonals. Hier können wir suchen und wir werden es auch finden: das Leben ohne Einschränkung! Liebe, Gerechtigkeit und Frieden.

Ich suche das Leben und habe Gott gefunden - in den Sakramenten und oft auch in der Kirche, z.B. hier beim MOGO. "Dort, wo das Leben ist".


 

 

Gedenkgottesdienst am 23. Oktober 2005 um 11.00 Uhr

in der Kirche " Zum guten Hirten " mit dem Thema :

" Strahlen der Hoffnung "

 

Liebe Bikerfreunde, liebe Gemeinde!

„Strahlen der Hoffnung“ heißt unser Thema heute und wenn ich die Motorradsaison 2005 so zurückverfolge, dann fallen mir zuerst die vielen Menschen ein, denen ich
auf den Frühjahrsmessen begegnet sind. Sie alle kamen, weil sie etwas gegehrten und suchten. Sie hatten von etwas gehört oder gelesen, hatten vielleicht sogar ein Foto aufgeschnappt und ihr Interesse war geweckt. Jetzt war das Bedürfnis da: nun will ich das Ding auch sehen und am liebsten auch anfassen!

Dann die vielen Treffen! Was konnte nicht alles bestaunt werden. Die neusten Bikes in Chrom oder mit Vollverkleidung. Jeder suchte das seine, warf sich auf die Knie; um alles zu bestaunen oder suchte das Gespräch, um zu erfahren, was dann nun an dem Modell dran sei (es wurde ja soviel geredet). Dazu kamen noch die irren Umbauen als Streetfighter, Ratbike oder diese abgedrehten Dieseltüftler.

Und wenn die Motorräder nicht mehr im Mittelpunkt standen , dann „Wein, Weib und Gesang“ oder überhaupt ein Wochenende „Entspannung“. Strahlen der Hoffnung!

Jetzt am Ende der Saison reizen schon wieder die neuen Modelle, die schon vielversprechend angekündigt in unsere Gegenwart strahlen. Hoffnung für die Hersteller, dass der Markt nicht weiter einbricht! Und Hoffnung für den Kunden, dass ein Schnäppchen dabei ist (bzw. eine Erbschaft, die die UVP ermöglicht).

So ermöglichte mir mein Hobby Motorrad fast tagtäglich die ganze Saison über „Strahlen der Hoffnung“, die in meinen Alltag schienen.

Aber Messen und Treffen sind nur die eine Seite:

das Motorrad wir ja auch noch bewegt und Mann und Frau kommen ja noch rum: die Strahlen der Hoffnung sehen auf der Straße dann doch noch anders aus!


Artikel aus der Motorrad News 11/2005 von Achim Schmitt (S. 7) „Ende einer Testfahrt“


Das ist auch ein prägendes Erlebnis. Danach fährt man viel dankbarer durch´s Leben bzw. genießt seine Unversehrtheit und Freiheit!

Der Redakteur hat selbst, spätestens beim realen Erlebnis des Zweiradfahrens, sein Gefühl zum Ausdruck gebracht und seinem Schutzengel gedankt. Spätestens hier haben wir also die Berührung mit unserem Bibeltext (2. Mose 33,18-23+34,29): Das Gefühl, Gott hat mich beschützt!

Bei solchen Lebens bedrohlichen Erfahrungen erweitert sich der Horizont über das Materielle hinaus: Zur Faszination auf Messen und Treffen kommt noch die Faszination des Lebens, die mit Gott in enger Verbindung steht. Suche ich das Leben, gerade auf und mit dem Motorrad, dann dauert es nicht lange und ich erfahre Gott in meine Welt.

Und das eint uns mit diesem alten Text in der Bibel und der Gestalt des Mose!

Mose hat schon viel von Gott gehört, hat ihn im Alltag immer wieder erfahren und nun will er auch wissen, wer er ist? Seine Bitte verhallt nicht ungehört, sondern Gott tritt mit ihm in ein Gespräch. Mose wünscht sich, Gott zu sehen (ähnlich der Neugier und Faszination, die uns auf Messen treibt). Gott sagt allerdings, das kein Mensch ihn sehen kann!

Aber sie finden ein Lösung: Gott stellt Mose in eine Felsspalte und dann geht er an ihm vorbei. Dabei hält er schützend seine Hand vor ihm. Dann geht er weiter und Mose kann ihn von hintern sehen. Mehr ist nicht drin!

Aber das reicht. Mose ist zufrieden und glücklich. Er strahlt übers ganze Gesicht! So stark, dass seinen Mitmenschen das Strahlen auffällt und sie sich fragen: Was hat der denn gesehen? Das muss ja Außerirdisch gewesen sein!

Ich glaube aber, nicht nur Mose oder der Redakteur machten solche Erfahrungen, sondern wir kennen sie auch!

Mir haben schon öfter erwachsene Kinder gesagt. „Mutter sieht so erlöst aus! Ganz friedlich – obwohl sie so krank war und die letzten Wochen so hart gewesen waren.“ Das war auf dem Totenbett!

Nicht nur im Leben, sondern auch im Sterben ist diese Erfahrung erlebbar: „Strahlen der Hoffnung“! Viele Berichte von Sterbenden erzählen von der Erfahrung: „Ich sah ein Licht und ging ohne Angst darauf zu“. Die Befürchtung des Redakteurs, nur noch die Radieschen von unter betrachten zu können, tritt nicht ein (was er ja schon intuitiv spürt, denn wenn er noch die Radieschen von untern sehen kann, kann sein Leben nicht zu Ende sein: „Strahlen der Hoffnung“ - sie gehören einfach zum Leben!)

Die Berichte der Sterbenden klingen eher wie eine Fahrt in den Sonnenaufgang. Im christlichen Glauben sind diese Erfahrungen tief verwurzelt. Nicht nur im Bekenntnis zur „Auferstehung“, sondern auch in der Tradition, dass der Altar immer im Osten steht oder die Toten Richtung Osten blickend beerdigt werden: Immer Richtung aufgehende Sonne!

„Du strahlst ja so!“

Hast Du ein neues Motorrad? Bist Du verliebt?

Szenen und Anmerkungen aus dem Alltag (nicht nur von Bikern).

Ich glaube, jede und jeder von uns hat diese Erfahrungen – spätestens, wenn wir an die eigene Kindheit erinnert werden!

Ich hatte gerade Kindergarten-Bibelfreizeit und wir hatten zwei große Indianer-Tipis aufgebaut, ausgelegt mit Stroh und draußen war natürlich auch ein Lagerfeuer. Welch ein Strahlen auf den Gesichtern der Kinder!

Ich erzählte die Woche über immer morgens am Lagerfeuer Perioden der Geschichte von Noah. Natürlich haben wir uns auch eine Arche gebaut (und die Kinder saßen davon, wie wir Biker vor dem neusten Modell auf dem Messestand). Aber auch wenn ihr jetzt denken solltet, ich war aber leider nie im Kindergarten, so hoffe ich doch, dass ihr zu Weihnachten wenigstens strahlende Gesichter hattet!

Zu Weihnachten entdecke ich immer so viele strahlende Menschen und ich behaupte, dass es nicht an den materiellen Geschenken liegt, sondern an dem Miteinander, an der Atmosphäre und an der spirituellen Erfahrung, dass unsere Welt nicht gottlos ist, sondern Gott tatsächlich zu uns gekommen ist!

Das ist doch die Faszination von Weihnachten: Gott kommt auf die Erde! Er wird einer von uns. Er spricht mit uns,
er fasziniert uns und -ja auch das gibt es- er berührt uns!

Das ist wie damals bei Mose.

Aber es gibt eine ganz wichtige Voraussetzung bzw. eine Grundeinstellung, die vorhanden sein muss (sowohl bei Mose damals als auch bei uns heute): Ich muss das Bedürfnis haben „Ich will Dich sehen!“

Zeige Dich! Gib mir ein Zeichen, Gott! Ich bin neugierig und hoffe auf Dich!

Und es ist versprochen: Gott kommt. Er wird sich zeigen! „Suchet, so werdet ihr finden, klopfet an, so wird euch aufgetan“ sagt Jesus (Mt. 7,7).

Das Christentum hat nicht nur die Hoffnung auf das Leben nach dem Tode, sondern schon auf die „Strahlen der Hoffnung“ im Alltag!

Und ich suche sie tagtäglich, wie das Traumbike auf der Messe oder die nette Stimmung auf einem Treffen. Selbst beim Ausritt auf die Hausstrecke hoffe ich auf ein paar „Sonnenstrahlen“.

Gott sehen wollen ist das eine und Gott finden das andere – zwei Seiten des Glaubens!

Die „Strahlen der Hoffnung“ kommen in unser Leben nicht nur geträumt oder erkauft, sondern auch geschenkt von Gott selbst. Es ist wie ein Licht aus einer anderen Welt. Ein warmer Strahl auf meinem Gesicht – immer dann, wenn ich mich aufgemacht habe und unterwegs bin.

Wahrscheinlich haben deshalb Biker so eine nette Ausstrahlung!

Amen.

 

Predigt zum Saisonabschlussgottesdienst
für Biker und Triker - gehalten von Peter - Pastor
am 20. September 2009 in Maasholm

„Auf der Durchreise“ oder „Sorge – Weshalb?“, Mat. 6, 25 - 34

Langsam neigt sich die Saison dem Ende zu. Die Tage werden kürzer und die Luft kälter, die Sonne scheint weniger und aus den Wolken fällt immer öfter Regen. Wenn ich so zurückblicke, dann habe ich das Gefühl, dass die Zeit in Galoppsprüngen vorwärts stürmt und ich stelle fest, dass ich schon wieder ein Jahr älter geworden bin. Wenn man zwanzig ist macht das noch nicht so viel aus, aber ab 50 gibt einen dann doch schon mehr zu denken, zumal man ab dann weiß, dass man sich nun im letzten Teil des Lebens befindet. Ja, wenn ich so dieses Jahr Revue passieren lasse, dann muss ich feststellen, dass für einige von uns das Jahr 2009 das letzte ihres Lebens war. Oft waren es Unfälle, die ihrem Leben ein plötzliches Ende setzten, so wie bei André, Johannes, Dennis und Daniela, Dieter oder eine schwere Krankheit, gegen die z. B. Erk lange ankämpfte, aber im Juni den Kampf dann doch verlor.

Ich weiß nicht, wie es Euch, liebe Biker- und Trikerschestern und –brüder, bei diesen Gedanken geht, aber mir wird zunehmend deutlicher, dass, wenn ich recht bedenke, mich eigentlich hier in dieser Welt nur auf der Durchreise befinde. Ich muss immer wieder an die Geschichte von dem Biker denken, der auf der Suche nach einem Quartier im Kloster landet.

Auf einer Tour kam ein Biker gegen Abend an einem Kloster vorbei, und da er nirgendwo ein Zimmer gefunden hatte, bat er um eine Unterkunft für die Nacht. Ein alter Mönch führte ihn daraufhin durch das Kloster und zeigte ihm erst die Räumlichkeiten, dann sein eigenes  Zimmer und schließlich das Zimmer, das für den reisenden Biker bestimmt war. „Sagen Sie mal“, fragte der Biker den Mönch, „warum sind die Räume so spärlich eingerichtet? Wo haben Sie denn Ihre Möbel?“ Der Mönch schaute ihn eine zeitlang an, bevor er fragte: „Wo haben Sie denn Ihre Möbel?“ „Ich bitte Sie“, entgegnete der Biker, „ich bin doch nur auf der Durchreise!“ „Sehen Sie“, sagte daraufhin der alte Mönch, „ich auch!“

Hat er nicht recht, der alte Mönch: Sind wir, Du und ich, nicht nur auf der Durchreise? Und doch sind wir bepackt als würden wir für ewig auf der Erde sein. Kaum einer ist bereit, sein Leben zu entrümpeln. Kaum einer ist bereit, etwas „über Bord zu werfen“. Müssten wir uns nicht genauso wie wir uns mit der Frage und der Sorge um das tägliche Leben beschäftigen, uns auch mit der Frage und der Sorge um das ewige Leben beschäftigen? Hast Du Dich schon einmal gefragt: Was kann ich dahin mitnehmen? Du musst Dein Trike zurücklassen! Du musst Dein Bike zurücklassen! Du musst Dein Sparbuch zurücklassen! Du musst Deine Wohnung zurücklassen! Du musst Deine Freunde zurücklassen! Du musst Deine Familie zurücklassen! Was aber nimmst Du mit? Welches Kapital hast Du hier erworben, dass nach Deinem Tod noch Wert hat? Das ist die Frage, die Du Dir stellen musst und das ist das Problem, an dem Du, solange Du noch kannst, arbeiten musst.

Eigentlich kennen viele von Euch Situationen, bei denen man nur das Notwendigste mitnehmen kann. Oder wie ist das, wenn Ihr mit Eurem Trike oder Bike auf größere Tour geht? Ich denke da an meine letzte größere Fahrt: Rund um die Ostsee, - über Königsberg, Tallin, St. Petersburg, Stockholm, Koppenhagen – 25 Tage – drei kleine Motorradkoffer und eine Rolle auf dem Rücksitz. Zwei Packtaschen für Schuhe, Waschzeug und Wäsche, ein Koffer für Esssachen und Kocher und in der Rolle Zelt und Schlafsack. Und obwohl wir von den 25 Tagen fast 15 Tage Regen hatten, reichte es. Ich habe nichts entbehrt.

Und nun übertrage das bitte einmal auf Dein Leben. Wieviel unnötigen Ballast schleppst Du mit Dir herum? Du machst Dir Sorgen über Sorgen, aber haben die Sorgen Dich weiter gebracht? Haben sie Dich glücklicher werden lassen? Bist Du fröhlicher durch sie geworden? Ist Dein Leben dadurch positiver geworden?

In der Bibel sagt Jesus – Matthäus 6 (25 – 34): Deshalb sage ich euch: Macht euch keine Sorgen um euer Leben: „Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen?“ Das Leben, das ihr von Gott empfangen habt, ist mehr als die Nahrung, die ihr dazu braucht, und der Leib, den er euch gab, ist mehr wert als die Kleidung.

Seht die Vögel an! Sie säen nicht. Sie ernten nicht. Sie sammeln keine Vorräte in Scheunen. Euer Vater im Himmel ist es, der sie ernährt. Seid ihr nicht viel kostbarer als sie?

Und was sollen die Sorgen nutzen? Wer erreicht mit seinen Sorgen auch nur, dass die Zeit seines Lebens um einen Tag länger wird? Und wozu sorgt ihr euch um eure Kleider? Lernt bei den Lilien auf dem Feld: Sie mühen sich nicht. Sie spinnen nicht. Ich sage euch: Nicht einmal der König Salomo in all seiner Pracht war gekleidet wie irgendeine von ihnen.

Wenn aber Gott das Gras - das heute steht und morgen abgemäht wird - so kostbar kleidet, wird er nicht viel mehr für euch sorgen?

Deshalb sollt ihr euch nicht in eurer Sorge verzehren: Was essen? Was trinken? Was anziehen? Um all das kreisen die Gedanken derer, die von Gott nichts wissen. Denn euer Vater im Himmel weiß, dass ihr das alles nötig habt.

Sorgt euch darum, dass Gott bei euch geehrt wird und dass unter seiner Herrschaft etwas Gerechtes unter euch geschieht und dass er einen festen Platz in eurem Leben hat. Das Übrige wird er euch dazugeben.

Quält euch nicht mit den Gedanken an morgen; der morgige Tag wird für sich selber sorgen. Ihr habt genug zu tragen an der Last von heute.

Sagt selbst, liebe Biker- und Trikerschwestern und  -brüder, klingt es nicht unglaublich schön: Sorgt euch nicht, Gott sorgt für euch? - Aber! Sofort drängt sich das große „Aber“ auf.  Wenn wir nicht dafür sorgen, dass wenigstens einer in der Familie Geld verdient, wovon sollte dann die Miete bezahlt werden? Wenn ich nicht dafür sorge, dass ich versichert bin, was soll dann im Krankheitsfalle aus mir werden? Ich könnte noch tausend Dinge anführen, die bestätigen, wie wichtig es ist, sich zu sorgen, für etwas zu sorgen, „Für-sorge“ zu treffen. Jesus sagt aber: Sorget euch nicht. Steht das nicht im Widerspruch zu alledem?

Ist Dir eigentlich schon aufgefallen, wie falsch wir das  Wort „sorgen“ benutzen? Jesus sagt zwar: Sorget euch nicht. Er sagt aber nicht: Kümmert euch nicht darum. Ich muss und soll mich sehr wohl um Dinge kümmern, die notwendig sind, aber ich brauche und soll mir deshalb keine Sorgen machen. Denn Sorgen besetzen mich, halten mich fest und lassen mich nicht frei. Hast Du schon einmal eine Nacht wach gelegen und Dich gesorgt? Ja, - dann, weißt Du auch, dass das Sorgen eine fatale und geradezu teuflische Eigenschaft hat: Kaum denkt man daran, dann verbreitet und vermehrt sie sich wie die Pest. Es liegt in der Natur der Sorge: Eine Sorge zieht immer neue Sorgen nach sich. Und nach so einer Nacht ist man dann geschafft und auch das liegt in der  Natur der Sorge: Sie entkräftet und schwächt uns.

Seht Ihr, deshalb verstehe ich Jesus sehr gut, wenn er meint: Vergeudet Eure Kraft nicht aus Sorge. Denn das Sorgen bringt nichts. Tut die Dinge, die nötiger, wichtiger, lebensentscheidender sind, aber sorgt Euch nicht darum. Die Zeit und die Kraft, die Ihr verbraucht, um Euch um widrige Umstände zu sorgen, die sollt Ihr lieber nutzen, um diese widrigen  Umstände zu ändern.

Sicherlich gibt es auch echte Sorgen, Sorgen, die meist aus begründeter Angst entstehen. Ein  Pfarrer, der lange Zeit im KZ gesessen hatte, sagte einmal: „Wissen Sie, ich habe gelernt, dass man nie mehr Angst haben muss als nötig.“ Könnte dieses nicht ein Schlüsselwort sein? Dann hieße es nämlich: Sorgt euch nicht, habt nicht mehr Angst als nötig, räumt den Dingen, die ihr fürchtet, nicht mehr Platz ein, als ihnen zusteht. Sorgt euch nicht, heißt dann auch: Versäumt nicht, über die Sicherung eurer Zukunft und über die Angst vor eurer Zukunft und eurer Gegenwart nachzudenken. Sorge entsteht nämlich immer da, wo wir Unsicherheit erfahren.

In diese Situation hinein sagt Jesus: Sorget euch nicht! Aber er sagt das nicht, weil er unsere Angst nicht ernst nimmt, und er tut diese, unsere Angst, auch nicht leichtfertig ab, und er meint auch nicht, dass das Gegenteil von Sorgen Leichtsinn ist. Nein, er nimmt unsere Angst ernst. Doch er sagt uns: Nicht Leichtsinn ist das Gegenteil von Angst, sondern  Vertrauen.  Und er macht uns dabei auf die Blumen und die Vögel aufmerksam. Er ermutigt uns, auf Gott zu vertrauen, dem unser Wohlergehen sicherlich wichtiger ist als das der Vögel und der Blumen.

Lasst uns noch ein wenig bei diesem Bild verweilen und etwas darüber nachdenken: Gehen wir einmal hin und betrachten die Vögel. Wir werden feststellen: Sie säen wirklich nicht und sie ernten nicht. Sie tun also nichts dergleichen. Und doch ist es nicht so, als ob sie gar nichts täten. Ich sehe, wie sie Nester bauen, Jungen ausbrüten, die Jungen füttern mit Insekten und Würmern, die sie fangen. Und ich stelle fest, die Vögel tun durchaus etwas. Aber eins tun sie nicht: Sie sorgen sich nicht. Sie tun genau das, wozu sie da sind. Sie verhalten sich so und leben so, wie es ihnen angemessen ist. Sie tun ganz selbstverständlich das, was ihnen aufgegeben ist und was Vögel eben tun, weil sie Vögel sind. Und sie stellen das, was sie sind, nicht in Frage, sie sorgen sich nicht.

Oder nehmen wir die Blumen. Sie arbeiten nicht, sie machen sich keine Kleider und sind doch wunderschön. Doch ich sehe auch, dass sie sehr wohl etwas tun. Wachsen, sie graben ihre Wurzeln in die Erde, sie öffnen sich am Morgen und schließen sich am Abend, sie strecken sich dem Licht entgegen. Sie tun alles, was Blumen  tun, weil sie eben Blumen sind. Sie sind das, was sie tun. Sie leben ganz selbstverständlich ihr Blumenleben. Sie stellen es nicht in Frage, sie sorgen sich nicht.

Siehst Du, liebe Biker- und Trikerschwester und -bruder, das ist genau die  Spur, die zu Dir führt. Hier wirst Du mit den Fragen konfrontiert: Wie ist das mit Dir? Lebst Du auch Dein Menschenleben? Lebst Du das Leben mit einer solchen Selbstverständlichkeit wie die Blumen oder die Vögel das ihre? Tust Du auch das, wozu Du da bist, wozu Gott Dich geschaffen hat? Lebst Du ganz einfach das, was Du bist?

Automatisch drängen sich bei dieser Überlegung die Fragen auf:  Wer bin ich denn überhaupt? Wozu bin ich hier auf dieser Erde? Ja, wie müsste eigentlich mein Leben aussehen, wenn ich lebte, was ich bin? Wenn ich auf der Linie und im Sinne Christi danach frage, dann frage ich nicht, was sich vom Ansehen her über den Menschen aussagen lässt.  Wenn ich im Sinne Jesu frage, dann frage ich auch nicht danach, wie der Mensch lebt, wie er sich verhält und was ihn vom Tier unterscheidet. Nein, das sind Fragen, um deren Antwort sich die Wissenschaft bemüht. Christliches Fragen geht über das  Vorfindliche und Beschreibbare hinaus. Christliches Fragen ist das Fragen nach dem Ursprung des Menschen, nach seinem  Ziel, nach seinem Entwurf.  Was aber ist dieser Entwurf? Er ist die Summe aller Hoffnung und aller im Menschen angelegten Möglichkeiten. Zusammengefasst und konkretisiert heißt das: Ich bin Gottes Kind und als solches bin ich frei. Ich werde von Gott, meinem  Vater geliebt, und weil Gott mich liebt, bin ich auch selbst in der Lage zu lieben. Liebe Biker- und Trikerschwester und -bruder, ich frage Dich nun: Lebst Du eigentlich das, was Du bist? Lebst Du nach diesem Entwurf Gottes? Lebst Du als Gottes Kind? Lebst Du so, dass Deine Freiheit für alle Menschen sichtbar und spürbar ist? Können andere Menschen erkennen, dass Du von Gott geliebt wirst und dass Du aus diesem Grunde selbst lieben kannst? Wenn wir ehrlich sind, dann bleibt uns auf diese Fragen nur die Antwort: Ich bleibe weit, weit hinter dem Entwurf Gottes zurück. Das, was das Bild mit den Vögeln und Blumen mit uns gemeinsam hat, das ist die Tatsache, dass wir alle von Gott entworfen sind. Das Trennende aber ist die Tatsache, dass die Blumen und die Vögel nicht hinter ihrem Entwurf zurückbleiben, während ich es tue.

Christus möchte, dass wir dem Entwurf Gottes entsprechen, denn nur so gibt es für uns ein Leben, das mit dem Tod nicht zu Ende ist, sondern das dann eigentlich erst richtig los geht. Dem Entwurf Gottes zu entsprechen, ist das Allerwichtigste, sagt Jesus: Darum sollt ihr euch zuerst kümmern. Alles andere, Essen und Trinken, Ansehen und Beruf, das ist nur Beiwerk. Das alles ist schön und gut und sogar wichtig, aber es kommt erst an zweiter Stelle! Denn, und das möchte ich mit allem Nachdruck sagen, wenn unsere Grundeinstellung, unsere Grundidentität nicht in Ordnung ist, dann kann auch das andere nicht in Ordnung sein. Und es ist nicht in Ordnung, wenn wir weiterhin nicht nach Gottes Entwurf leben und immer nur das Beiwerk als lebensnotwendig hinstellen und es auf den ersten Platz setzen. Sorgt euch also zuerst darum, dass Gott bei euch geehrt wird und dass unter seiner Herrschaft etwas Gerechtes unter euch geschieht und dass er einen festen Platz in eurem Leben hat. Das Übrige wird er euch dazugeben.

Aber wie mache ich das? Bestimmt nicht, indem ich mich darum sorge. Sorge richtet sich immer auf das Überleben und das Durchkommen. Ich will und soll aber nicht überleben, sondern Christus will, dass ich lebe! Das Leben aber entzieht sich meiner Sorge. Denn das Leben kann ich mir nicht selbst geben, das Leben bekomme ich geschenkt und zwar jeden Tag neu !!!! Ich kann auch das Leben nicht wie meinen Besitz festhalten. Ich kann es auch nicht vermehren, wie ich Kapital vermehren kann. Das einzige, was ich tun kann, ist, das Leben als Geschenk Gottes anzunehmen und mich darauf einzulassen. Mein Leben hängt nicht von meinen Sorgen ab. Ich kann es dadurch höchstens verkürzen, nicht aber um nur einen Tag verlängern. Was ich aber kann, und ich bitte Euch, das auch zu tun, ich kann die Liebe, die ich bekomme, weitergeben. Ich kann sie nicht herstellen, denn sie ist im Überfluss da. Ich kann, darf und sollte sie nur annehmen und mich ganz und gar hinein geben. Alles, aber auch alles, was unser Leben überhaupt erst zum Leben macht, bekommen wir geschenkt. Und das alles liegt außerhalb des Bereiches, den ich durch mein Sorgen schaffen oder verändern kann.

Ich kann Euch, liebe Biker- und Trikerschwestern und  -brüder, kein Rezept geben, wie man das macht, denn Rezepte gelten immer nur für Machbares und Herstellbares. Machbar aber ist so ein Leben nicht. Aber ich möchte Euch Richtungsweiser anbieten: Vieles findet Ihr in der Bibel und darum allein lohnt es sich, des Öfteren in ihr zu lesen. Auch das abendliche Gebet, in dem Du Deinen Tag voller Dank Revue passieren lässt, ist so ein Richtungsweiser. Und es gibt noch viele  Richtungsweiser, die Ihr mit etwas Phantasie finden werdet. Einer davon kommt sicher in folgender kleinen Geschichte zum  Ausdruck: Ein weiser Einsiedler wurde einmal von einem Mann gefragt, welches ist der wichtigste Augenblick in meinem Leben? Was ist der wichtigste Mensch für mich? Und was ist die wichtigste Tat für mich? Der Einsiedler antworte: Der wichtigste Augenblick ist immer jetzt. Der wichtigste Mensch ist immer der, mit dem du gerade zusammen bist. Und die wichtigste Tat ist immer, diesem Menschen Liebe zu erweisen!

Ich wünsche Euch allen noch viele schöne Tage auf Eurer Durchreise durch diese Welt !

Amen.

 


 

Bikergottesdienst am 17.05.2009
in Büdelsdorf gehalten von Peter - Pastor

 

Johannes 20, 19 - 29: Am Abend aber dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch! Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen. Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.

Thomas aber, der Zwilling genannt wird, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Da sagten die andern Jünger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er aber sprach zu ihnen: Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und meinen Finger in die Nägelmale lege und meine Hand in seine Seite lege, kann ich's nicht glauben.

Und nach acht Tagen waren seine Jünger abermals drinnen versammelt, und Thomas war bei ihnen. Kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren, und tritt mitten unter sie und spricht: Friede sei mit euch! Danach spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Spricht Jesus zu ihm: Weil du mich gesehen hast, Thomas, darum glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!

 

Liebe Bikerschwestern und –brüder, es ist gerade mal fünf Wochen her, da haben wir das größte christliche Fest gefeiert, nämlich Ostern.  Ein Fest, das bei vielen von uns verbunden war mit der Fahrt nach Husum zum MoGo oder mit einer Ausfahrt durch unser schönes Schleswig-Holstein. Auch wenn fünf Wochen keine lange Zeit ist, so haben die Meisten Ostern schon längst abgehakt und in die Schublade der Vergangenheit zurückgelegt. Vielleicht liegt das daran, dass nur noch wenige wissen, warum wir überhaupt Ostern feiern. Weißt Du wenigstens, was Ostern passiert ist?

Für die Christen endet die Osterzeit in der nächsten Woche mit Himmelfahrt. Die Zeit in der wir uns momentan befinden ist also die Spanne zwischen Auferstehung und die Rückkehr Jesu zu Gott. Es ist die Zeit, in der Christus versucht hat seinen Jüngern das Unfassbare begreiflich zu machen. Auch sie verstanden nicht, dass ein Mensch, der tot ist, plötzlich wieder lebt. Sie begriffen nicht, dass eine biologische Unmöglichkeit bei Gott möglich ist. Christus war gekreuzigt, er war tot. Der römische Soldat hatte ihm sogar mit einer Lanze ins Herz gestochen. Und doch lebte er. War bei ihnen, ließ sich von Ihnen berühren und sprach mit ihnen. Plötzlich aber - so erzählt dann Johannes - war der da, den keiner der Jünger mehr auf der Rechnung hatte. Plötzlich war der Auferstandene mitten in den Raum getreten und zeigte ihnen die Wundmale seiner Kreuzigung. Die verschlossenen Türen konnten ihn nicht hindern. Friede sei mit euch! Auf einmal war er da, und auf einmal war alles anders.

Christus durchbricht die Mauern, die uns Menschen die Luft zum Atmen rauben, und er bringt den Frieden, der uns mit Gott und untereinander verbindet. Aus Trauer und Ratlosigkeit, aus Flucht und Abschottung, aus Angst und Verzweiflung wird Freude und Gewissheit, Bekenntnis und Predigt zur Welt, wird neues Leben, das anderen wiederum zum Leben verhilft. Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch! sagt Jesus seinen Jüngern und gibt uns diesen Einsatzbefehl heute ebenso mit auf den Weg.

Aber Christus macht noch mehr: Er gibt seinen Jüngern die Vollmacht der Vergebung der Sünden. Welchen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlassen, und welchen Ihr sie behaltet, denen sind sie behalten! Ja, er gibt seinen Jüngern ein Stück der Macht Gottes, vertraut ihnen Großes an und vertraut ihnen, um Luther zu zitieren: „...die Schlüssel des Himmels und der Hölle“ an. Die Sünde ist die Kluft, die Gott und Mensch trennt, denn Sünde kommt von „Sund“, also von dem, was der Mensch von sich aus nie überwinden kann. Er kann zwar seine Sünde bereuen, aber er kann sie nicht „aus der Welt schaffen“. Die unvergebene Sünde wird den Menschen immer von Gott trennen, darum ist die Vergebung so wichtig, denn sie ist lebensentscheidend. Menschen, die sagen: Ich habe keine Sünde, sind Lügner, die nicht nur andere sondern sich selbst belügen. Überleg einmal, wie oft Du heute schon gesündigt hast!? Ich meine nicht nur die 70, die Du in der Ortschaft gefahren bist, oder die 120 und mehr auf der Landstrasse, sondern ich frage Dich: Hast Du von der vielen Liebe, die Du heute schon von Gott geschenkt bekommen hast, etwas abgegeben? Aber Jesus spürt auch, dass hier bei den verängstigten Jüngern nicht nur Worte helfen, ihre Furcht zu überwinden, sondern dass hier Beistand nötig ist: Und er blies sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den heiligen Geist! Er gibt ihnen Kraft und macht ihnen Mut hinauszugehen in die Welt, sein Wort zu verkündigen und andere von ihren Sünden los zu sprechen. Er gibt ihnen einen langen / seinen langen Atem. Eigentlich könnte damit das Evangelium enden, wenn, ja, wenn nicht da noch dieser Jünger namens Thomas wäre. Er war nicht dabei als Jesus zu den Jüngern kam. Er hat von alledem nichts mitbekommen. Er zweifelt an den Aussagen der anderen: Er aber sprach zu ihnen: Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und meinen Finger in die Nägelmale lege und meine Hand in seine Seite lege, kann ich's nicht glauben. Und plötzlich merken die Jünger, dass man Glaubenserfahrungen nicht einfach weiterreichen kann, wie einen Stab beim Staffellauf. Thomas der Zweifler“ oder der „ungläubige Thomas“, so pflegen wir ihn seitdem zu nennen. Der, der immer alles vorher mit eigenen Augen gesehen und mit eigenen Händen betastet haben muss, bevor er es glaubt. Sein Bemühen, durch Anfassen, durch Begreifen zu eigenen Glaubenserfahrungen zu kommen, ist in der Geschichte der Kirche immer wieder verdächtigt und kritisiert worden. Als sei es ihm um Beweise dessen gegangen, was man nicht beweisen kann. Dabei ist er nur einer, der den Dingen auf den Grund geht, der nicht blind alles glaubt, was ihm erzählt wird, der sein Leben auf ein sicheres, tragfähiges Fundament stellen will. Also, ich muss sagen: Mir ist er sympathisch, dieser Thomas.

Dass Jesus auferstanden ist und lebt, das kann man nicht allein deshalb für wahr halten, weil andere es so  sagen  oder behaupten. Dazu muss ich selber durch eigene Erfahrungen kommen. Eigene Erfahrungen zu machen, heißt aber doch, liebe Biker und Bikerrinnen, nicht einfach die Erfahrungen von anderen zu übernehmen, sondern selber diese Glaubensschritte zu machen. Glauben heißt, den Erfahrungen anderer nicht blind zu vertrauen, sondern sie zu überprüfen und selber nach persönlichen Erfahrungen zu suchen. Ohne diesen Zweifel gibt es keinen Glauben. Aber wenn ich mich nicht auf die Suche mache, dann finde ich auch keinen Glauben. Der Glaube kommt nicht wie Regentropfen vom Himmel, sondern er will gesucht und gefunden werden.

Thomas ist ein Jünger, der lernen will, und zwar nicht allein durch Hören und Sagen, sondern auch durch Sehen und Anfassen. Und ist er mit diesem Bedürfnis nicht ganz nahe bei Jesus, der ja auch mehr will, als sich nur sehen und hören lassen. Christus will, dass wir Menschen leibhaftige Erfahrungen mit ihm machen. Er möchte von uns leibhaftig aufgenommen werden - beim Abendmahl z. B.  Deshalb ließ er sich berühren vom Leid der Menschen. Ja, liebe Bikerschwestern und -brüder, hören, sehen und berühren bzw. in sich aufnehmen, machen erst den ganzen Glauben aus. Glaubenserfahrungen sind in erster Linie leibhaftige Erfahrungen und nicht gedankliche Leistung oder gar Akrobatik für das Gehirn. Der Glaube kann nicht ohne sichtbare Zeichen auskommen. Bei dem Sakrament der Taufe ist es das Wasser, bei dem Sakrament des Abendmahls ist es Brot und Wein und beim Sakrament der Beichte, bzw. „vom Amt der Schlüssel“, ist es die Lossprechung, die ja eigentlich unter der Berührung, z. B. der Handauflegung oder Salbung geschehen sollte. Thomas wird von Jesus nicht getadelt, aber er wird von ihm korrigiert. Nicht das „Sehen wollen“, sondern die Bedingung „wenn - dann“, ist das, was Jesus tadelt und was dem Glauben fremd ist. Wenn ich nicht sehe, dann kann ich nicht glauben. Thomas will seinen Abstand erst aufgeben, wenn er gesehen hat. Glaube entsteht nur durch Vertrauen und das heißt, seine Distanz aufzugeben. Man kann berühren und fühlt doch nicht. Man kann sehen und erkennt doch nicht. Man kann hören und doch nicht verstehen. Das ist bei der Taufe so, und das ist beim Abendmahl so, das ist bei der Beichte so und das ist beim Glauben so. Ich muss wollen! Ich muss bereit sein, zu glauben! Und ich muss bereit sein, meine mir selbst aufgebaute und   mir im Wege stehende Distanz aufzugeben! Ja, ich muss bereit sein, mich von Christus berühren zu lassen !

Thomas, den wir ja den „Ungläubigen“ nennen, ist nach der Berührung mit Jesus hingezogen bis nach Indien, um dort das Evangelium zu predigen. Er hat sein Wort, seinen Glauben in die Tat umgesetzt. Und er hat seine Begegnung mit dem Auferstandenen nicht nur in, sondern mit seinem Leben bezeugt. Solange jedenfalls bis er im Jahr 67 in Madras von Lanzen durchbohrt den Märtyrertod stirbt.

Karfreitag und Ostern ist der Schnittpunkt vom irdischen und ewigen Leben. Während das Eine endet, beginnt das Andere. Das galt damals für die Jünger und das gilt heute für Dich und mich. Es ist darum wichtig, dass ich in diesem Leben mich auf dieses Ereignis vorbereite und mir nicht zu viel Ballast auflade, der mich daran hindert, fröhlich dem entgegen zu gehen. Dazu ein kleiner Gedanke: Auf einer Tour kam ein Biker gegen Abend an einem Kloster vorbei, und da er nirgendwo ein Zimmer gefunden hatte, bat er um eine Unterkunft für die Nacht. Ein alter Mönch führte ihn daraufhin durch das Kloster und zeigte ihm erst die Räumlichkeiten, dann sein eigenes  Zimmer und schließlich das Zimmer, das für den reisenden Biker bestimmt war. „Sagen Sie mal“, fragte der Biker den Mönch, „warum sind die Räume so spärlich eingerichtet? Wo haben Sie denn Ihre Möbel?“ Der Mönch schaute ihn eine zeitlang an, bevor er fragte: „Wo haben Sie denn Ihre Möbel?“ „Ich bitte Sie“, entgegnete der Biker, „ich bin doch nur auf der Durchreise!“ „Sehen Sie“, sagte daraufhin der alte Mönch, „ich auch!“ Denk daran: Auch Du bist in und mit Deinem Leben „nur auf der Durchreise“. Darum, liebe Bikerschwestern und -brüder, lasst uns auch das, was Ihr erfahrt, sei es bei der Taufe als Eltern und Paten, oder bei der Beichte oder beim Abendmahl, oder beim MoGo, in Eurem Leben auch für andere deutlich und sichtbar werden. Fahrt hinaus auf die Straße Eures Lebens und sagt andern Menschen etwas über Gott, zeigt ihnen, dass Ihr als Christen zu den Gewinnern gehört und dass Ihr an der Schnittstelle Eures Lebens nur Eure alte Maschine stehen lasst, um mit einer neuen durchs ewige Leben zu knattern.

Amen.