Predigten

 


Inhaltsverzeichnis der Predigten
 


MoGo Predigt 2005

Thema : "Dort, wo Leben ist"
 


Gedenkgottesdienst am 23.10.2005

Thema : "Strahlen der Hoffnung"

 


Bikergottesdienst am 17.05.2009

in Büdelsdorf


Saisonabschluß Gottesdienst am 20.09.2009

 Thema :
„Auf der Durchreise“
oder „Sorge – Weshalb?“

 

 Mogo Predigt 2010

Thema : "Hinter der Kurve ..."

 MoGo Predigt in Sastrup am 05.06.2011

Thema : Durst und Wasser

 MoGo Predigt 2011 am 26.06.2011

Thema : Follow me ...

 

 

 


MOGO-Predigt 2005
" Dort, wo Leben ist "
1. Teil Taufe / Abendmahl ( Holger Janke )

Kanzelsegen:

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott, unserm Vater, und  unserm Herrn, Jesus Christus! Amen.

 

Liebe Biker!

"Dort, wo Leben ist", da möchte ich sein! "Dort, wo Leben ist", da will ich hin! "Dort, wo Leben ist", dieses Reiseziel zieht mich an! Ich suche den Weg dorthin.

"Dort, wo Leben ist", da spielt Musik. Da ist der Mensch noch Mensch. Da gibt es kein oben oder unten, arm oder reich, schlau oder dumm. "Dort, wo Leben ist" sind alle verschieden, aber alle gehören zusammen! Alle teilen, was sie haben. Nicht unbedingt das Geld, aber die Höhen und die Tiefen des Älterwerdens, die Freude und den Schmerz, die Hoffnung und die Angst. Alle haben etwas beizutragen - weil es doch um das Leben geht!

"Dort, wo Leben ist", da möchte ich sein! Ich suche das Leben! Darum fahre ich Motorrad. Ich suche den Wind und das Gefühl der Balance. Ich fahre in der Hitze oder in der Kälte und spüre: Leben ist in mir!

Ich suche das Leben, aber nicht nur auf dem Motorrad, sondern auch hier in der Kirche. Hier an diesem Ort soll auch das Leben sein. Hier soll das Leben wohnen und es soll ansteckend sein. Darum bin ich hier!

In mir soll auch das Leben wohnen - Leben durch und durch!

Auch ich bin schon enttäuscht aus einer Kirche gegangen, weil dort für mich kein Leben zu finden war. Ich hörte viel Kluges, aber ich wurde nicht mit neuem Leben aufgetankt. Also musste ich mit dem Rest "Lebensreserve" weiterfahren - eine Zitterpartie, immer mit der Frage im Kopf: Wie lange wird´s noch reichen?

Das Leben in der Kirche ist genauso abhängig von den Gegebenheiten drum herum, wie das Leben mit dem Motorrad. Doch genauso wie es die Lieblingsstrecke gibt, die garantiert meine Sucht nach Kurven stillt, so gibt es auch in der Kirche, den garantierten Ort, wo Leben zu suchen und zu finden ist. Die Taufe und das Abendmahl schenken uns die Berührung mit Gott. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche, denn Gott selbst hat´s versprochen.

Diese Sakramente sind als "heilige Orte" unabhängig von der Tagesform des Bodenpersonals. Hier können wir suchen und wir werden es auch finden: das Leben ohne Einschränkung! Liebe, Gerechtigkeit und Frieden.

Ich suche das Leben und habe Gott gefunden - in den Sakramenten und oft auch in der Kirche, z.B. hier beim MOGO. "Dort, wo das Leben ist".



 

 

 

 

 

Gedenkgottesdienst am 23. Oktober 2005 um 11.00 Uhr
in der Kirche " Zum guten Hirten " mit dem Thema :
" Strahlen der Hoffnung ", gehalten von Pastor Holger Janke

 

Liebe Bikerfreunde, liebe Gemeinde!

„Strahlen der Hoffnung“ heißt unser Thema heute und wenn ich die Motorradsaison 2005 so zurückverfolge, dann fallen mir zuerst die vielen Menschen ein, denen ich auf den Frühjahrsmessen begegnet sind. Sie alle kamen, weil sie etwas gegehrten und suchten. Sie hatten von etwas gehört oder gelesen, hatten vielleicht sogar ein Foto aufgeschnappt und ihr Interesse war geweckt. Jetzt war das Bedürfnis da: nun will ich das Ding auch sehen und am liebsten auch anfassen!

Dann die vielen Treffen! Was konnte nicht alles bestaunt werden. Die neusten Bikes in Chrom oder mit Vollverkleidung. Jeder suchte das seine, warf sich auf die Knie; um alles zu bestaunen oder suchte das Gespräch, um zu erfahren, was dann nun an dem Modell dran sei (es wurde ja soviel geredet). Dazu kamen noch die irren Umbauen als Streetfighter, Ratbike oder diese abgedrehten Dieseltüftler.

Und wenn die Motorräder nicht mehr im Mittelpunkt standen , dann „Wein, Weib und Gesang“ oder überhaupt ein Wochenende „Entspannung“. Strahlen der Hoffnung!

Jetzt am Ende der Saison reizen schon wieder die neuen Modelle, die schon vielversprechend angekündigt in unsere Gegenwart strahlen. Hoffnung für die Hersteller, dass der Markt nicht weiter einbricht! Und Hoffnung für den Kunden, dass ein Schnäppchen dabei ist (bzw. eine Erbschaft, die die UVP ermöglicht).

So ermöglichte mir mein Hobby Motorrad fast tagtäglich die ganze Saison über „Strahlen der Hoffnung“, die in meinen Alltag schienen.

Aber Messen und Treffen sind nur die eine Seite:

das Motorrad wir ja auch noch bewegt und Mann und Frau kommen ja noch rum: die Strahlen der Hoffnung sehen auf der Straße dann doch noch anders aus!


Artikel aus der Motorrad News 11/2005 von Achim Schmitt (S. 7) „Ende einer Testfahrt“


Das ist auch ein prägendes Erlebnis. Danach fährt man viel dankbarer durch´s Leben bzw. genießt seine Unversehrtheit und Freiheit!

Der Redakteur hat selbst, spätestens beim realen Erlebnis des Zweiradfahrens, sein Gefühl zum Ausdruck gebracht und seinem Schutzengel gedankt. Spätestens hier haben wir also die Berührung mit unserem Bibeltext (2. Mose 33,18-23+34,29): Das Gefühl, Gott hat mich beschützt!

Bei solchen Lebens bedrohlichen Erfahrungen erweitert sich der Horizont über das Materielle hinaus: Zur Faszination auf Messen und Treffen kommt noch die Faszination des Lebens, die mit Gott in enger Verbindung steht. Suche ich das Leben, gerade auf und mit dem Motorrad, dann dauert es nicht lange und ich erfahre Gott in meine Welt.

Und das eint uns mit diesem alten Text in der Bibel und der Gestalt des Mose!

Mose hat schon viel von Gott gehört, hat ihn im Alltag immer wieder erfahren und nun will er auch wissen, wer er ist? Seine Bitte verhallt nicht ungehört, sondern Gott tritt mit ihm in ein Gespräch. Mose wünscht sich, Gott zu sehen (ähnlich der Neugier und Faszination, die uns auf Messen treibt). Gott sagt allerdings, das kein Mensch ihn sehen kann!

Aber sie finden ein Lösung: Gott stellt Mose in eine Felsspalte und dann geht er an ihm vorbei. Dabei hält er schützend seine Hand vor ihm. Dann geht er weiter und Mose kann ihn von hintern sehen. Mehr ist nicht drin!

Aber das reicht. Mose ist zufrieden und glücklich. Er strahlt übers ganze Gesicht! So stark, dass seinen Mitmenschen das Strahlen auffällt und sie sich fragen: Was hat der denn gesehen? Das muss ja Außerirdisch gewesen sein!

Ich glaube aber, nicht nur Mose oder der Redakteur machten solche Erfahrungen, sondern wir kennen sie auch!

Mir haben schon öfter erwachsene Kinder gesagt. „Mutter sieht so erlöst aus! Ganz friedlich – obwohl sie so krank war und die letzten Wochen so hart gewesen waren.“ Das war auf dem Totenbett!

Nicht nur im Leben, sondern auch im Sterben ist diese Erfahrung erlebbar: „Strahlen der Hoffnung“! Viele Berichte von Sterbenden erzählen von der Erfahrung: „Ich sah ein Licht und ging ohne Angst darauf zu“. Die Befürchtung des Redakteurs, nur noch die Radieschen von unter betrachten zu können, tritt nicht ein (was er ja schon intuitiv spürt, denn wenn er noch die Radieschen von untern sehen kann, kann sein Leben nicht zu Ende sein: „Strahlen der Hoffnung“ - sie gehören einfach zum Leben!)

Die Berichte der Sterbenden klingen eher wie eine Fahrt in den Sonnenaufgang. Im christlichen Glauben sind diese Erfahrungen tief verwurzelt. Nicht nur im Bekenntnis zur „Auferstehung“, sondern auch in der Tradition, dass der Altar immer im Osten steht oder die Toten Richtung Osten blickend beerdigt werden: Immer Richtung aufgehende Sonne!

„Du strahlst ja so!“

Hast Du ein neues Motorrad? Bist Du verliebt?

Szenen und Anmerkungen aus dem Alltag (nicht nur von Bikern).

Ich glaube, jede und jeder von uns hat diese Erfahrungen – spätestens, wenn wir an die eigene Kindheit erinnert werden!

Ich hatte gerade Kindergarten-Bibelfreizeit und wir hatten zwei große Indianer-Tipis aufgebaut, ausgelegt mit Stroh und draußen war natürlich auch ein Lagerfeuer. Welch ein Strahlen auf den Gesichtern der Kinder!

Ich erzählte die Woche über immer morgens am Lagerfeuer Perioden der Geschichte von Noah. Natürlich haben wir uns auch eine Arche gebaut (und die Kinder saßen davon, wie wir Biker vor dem neusten Modell auf dem Messestand). Aber auch wenn ihr jetzt denken solltet, ich war aber leider nie im Kindergarten, so hoffe ich doch, dass ihr zu Weihnachten wenigstens strahlende Gesichter hattet!

Zu Weihnachten entdecke ich immer so viele strahlende Menschen und ich behaupte, dass es nicht an den materiellen Geschenken liegt, sondern an dem Miteinander, an der Atmosphäre und an der spirituellen Erfahrung, dass unsere Welt nicht gottlos ist, sondern Gott tatsächlich zu uns gekommen ist!

Das ist doch die Faszination von Weihnachten: Gott kommt auf die Erde! Er wird einer von uns. Er spricht mit uns,
er fasziniert uns und -ja auch das gibt es- er berührt uns!

Das ist wie damals bei Mose.

Aber es gibt eine ganz wichtige Voraussetzung bzw. eine Grundeinstellung, die vorhanden sein muss (sowohl bei Mose damals als auch bei uns heute): Ich muss das Bedürfnis haben „Ich will Dich sehen!“

Zeige Dich! Gib mir ein Zeichen, Gott! Ich bin neugierig und hoffe auf Dich!

Und es ist versprochen: Gott kommt. Er wird sich zeigen! „Suchet, so werdet ihr finden, klopfet an, so wird euch aufgetan“ sagt Jesus (Mt. 7,7).

Das Christentum hat nicht nur die Hoffnung auf das Leben nach dem Tode, sondern schon auf die „Strahlen der Hoffnung“ im Alltag!

Und ich suche sie tagtäglich, wie das Traumbike auf der Messe oder die nette Stimmung auf einem Treffen. Selbst beim Ausritt auf die Hausstrecke hoffe ich auf ein paar „Sonnenstrahlen“.

Gott sehen wollen ist das eine und Gott finden das andere – zwei Seiten des Glaubens!

Die „Strahlen der Hoffnung“ kommen in unser Leben nicht nur geträumt oder erkauft, sondern auch geschenkt von Gott selbst. Es ist wie ein Licht aus einer anderen Welt. Ein warmer Strahl auf meinem Gesicht – immer dann, wenn ich mich aufgemacht habe und unterwegs bin.

Wahrscheinlich haben deshalb Biker so eine nette Ausstrahlung!

Amen.


 

 

 

 

Predigt zum Saisonabschlussgottesdienst
für Biker und Triker - gehalten von Peter - Pastor
am 20. September 2009 in Maasholm

„Auf der Durchreise“ oder „Sorge – Weshalb?“, Mat. 6, 25 - 34

Langsam neigt sich die Saison dem Ende zu. Die Tage werden kürzer und die Luft kälter, die Sonne scheint weniger und aus den Wolken fällt immer öfter Regen. Wenn ich so zurückblicke, dann habe ich das Gefühl, dass die Zeit in Galoppsprüngen vorwärts stürmt und ich stelle fest, dass ich schon wieder ein Jahr älter geworden bin. Wenn man zwanzig ist macht das noch nicht so viel aus, aber ab 50 gibt einen dann doch schon mehr zu denken, zumal man ab dann weiß, dass man sich nun im letzten Teil des Lebens befindet. Ja, wenn ich so dieses Jahr Revue passieren lasse, dann muss ich feststellen, dass für einige von uns das Jahr 2009 das letzte ihres Lebens war. Oft waren es Unfälle, die ihrem Leben ein plötzliches Ende setzten, so wie bei André, Johannes, Dennis und Daniela, Dieter oder eine schwere Krankheit, gegen die z. B. Erk lange ankämpfte, aber im Juni den Kampf dann doch verlor.

Ich weiß nicht, wie es Euch, liebe Biker- und Trikerschestern und –brüder, bei diesen Gedanken geht, aber mir wird zunehmend deutlicher, dass, wenn ich recht bedenke, mich eigentlich hier in dieser Welt nur auf der Durchreise befinde. Ich muss immer wieder an die Geschichte von dem Biker denken, der auf der Suche nach einem Quartier im Kloster landet.

Auf einer Tour kam ein Biker gegen Abend an einem Kloster vorbei, und da er nirgendwo ein Zimmer gefunden hatte, bat er um eine Unterkunft für die Nacht. Ein alter Mönch führte ihn daraufhin durch das Kloster und zeigte ihm erst die Räumlichkeiten, dann sein eigenes  Zimmer und schließlich das Zimmer, das für den reisenden Biker bestimmt war. „Sagen Sie mal“, fragte der Biker den Mönch, „warum sind die Räume so spärlich eingerichtet? Wo haben Sie denn Ihre Möbel?“ Der Mönch schaute ihn eine zeitlang an, bevor er fragte: „Wo haben Sie denn Ihre Möbel?“ „Ich bitte Sie“, entgegnete der Biker, „ich bin doch nur auf der Durchreise!“ „Sehen Sie“, sagte daraufhin der alte Mönch, „ich auch!“

Hat er nicht recht, der alte Mönch: Sind wir, Du und ich, nicht nur auf der Durchreise? Und doch sind wir bepackt als würden wir für ewig auf der Erde sein. Kaum einer ist bereit, sein Leben zu entrümpeln. Kaum einer ist bereit, etwas „über Bord zu werfen“. Müssten wir uns nicht genauso wie wir uns mit der Frage und der Sorge um das tägliche Leben beschäftigen, uns auch mit der Frage und der Sorge um das ewige Leben beschäftigen? Hast Du Dich schon einmal gefragt: Was kann ich dahin mitnehmen? Du musst Dein Trike zurücklassen! Du musst Dein Bike zurücklassen! Du musst Dein Sparbuch zurücklassen! Du musst Deine Wohnung zurücklassen! Du musst Deine Freunde zurücklassen! Du musst Deine Familie zurücklassen! Was aber nimmst Du mit? Welches Kapital hast Du hier erworben, dass nach Deinem Tod noch Wert hat? Das ist die Frage, die Du Dir stellen musst und das ist das Problem, an dem Du, solange Du noch kannst, arbeiten musst.

Eigentlich kennen viele von Euch Situationen, bei denen man nur das Notwendigste mitnehmen kann. Oder wie ist das, wenn Ihr mit Eurem Trike oder Bike auf größere Tour geht? Ich denke da an meine letzte größere Fahrt: Rund um die Ostsee, - über Königsberg, Tallin, St. Petersburg, Stockholm, Koppenhagen – 25 Tage – drei kleine Motorradkoffer und eine Rolle auf dem Rücksitz. Zwei Packtaschen für Schuhe, Waschzeug und Wäsche, ein Koffer für Esssachen und Kocher und in der Rolle Zelt und Schlafsack. Und obwohl wir von den 25 Tagen fast 15 Tage Regen hatten, reichte es. Ich habe nichts entbehrt.

Und nun übertrage das bitte einmal auf Dein Leben. Wieviel unnötigen Ballast schleppst Du mit Dir herum? Du machst Dir Sorgen über Sorgen, aber haben die Sorgen Dich weiter gebracht? Haben sie Dich glücklicher werden lassen? Bist Du fröhlicher durch sie geworden? Ist Dein Leben dadurch positiver geworden?

In der Bibel sagt Jesus – Matthäus 6 (25 – 34): Deshalb sage ich euch: Macht euch keine Sorgen um euer Leben: „Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen?“ Das Leben, das ihr von Gott empfangen habt, ist mehr als die Nahrung, die ihr dazu braucht, und der Leib, den er euch gab, ist mehr wert als die Kleidung.

Seht die Vögel an! Sie säen nicht. Sie ernten nicht. Sie sammeln keine Vorräte in Scheunen. Euer Vater im Himmel ist es, der sie ernährt. Seid ihr nicht viel kostbarer als sie?

Und was sollen die Sorgen nutzen? Wer erreicht mit seinen Sorgen auch nur, dass die Zeit seines Lebens um einen Tag länger wird? Und wozu sorgt ihr euch um eure Kleider? Lernt bei den Lilien auf dem Feld: Sie mühen sich nicht. Sie spinnen nicht. Ich sage euch: Nicht einmal der König Salomo in all seiner Pracht war gekleidet wie irgendeine von ihnen.

Wenn aber Gott das Gras - das heute steht und morgen abgemäht wird - so kostbar kleidet, wird er nicht viel mehr für euch sorgen?

Deshalb sollt ihr euch nicht in eurer Sorge verzehren: Was essen? Was trinken? Was anziehen? Um all das kreisen die Gedanken derer, die von Gott nichts wissen. Denn euer Vater im Himmel weiß, dass ihr das alles nötig habt.

Sorgt euch darum, dass Gott bei euch geehrt wird und dass unter seiner Herrschaft etwas Gerechtes unter euch geschieht und dass er einen festen Platz in eurem Leben hat. Das Übrige wird er euch dazugeben.

Quält euch nicht mit den Gedanken an morgen; der morgige Tag wird für sich selber sorgen. Ihr habt genug zu tragen an der Last von heute.

Sagt selbst, liebe Biker- und Trikerschwestern und  -brüder, klingt es nicht unglaublich schön: Sorgt euch nicht, Gott sorgt für euch? - Aber! Sofort drängt sich das große „Aber“ auf.  Wenn wir nicht dafür sorgen, dass wenigstens einer in der Familie Geld verdient, wovon sollte dann die Miete bezahlt werden? Wenn ich nicht dafür sorge, dass ich versichert bin, was soll dann im Krankheitsfalle aus mir werden? Ich könnte noch tausend Dinge anführen, die bestätigen, wie wichtig es ist, sich zu sorgen, für etwas zu sorgen, „Für-sorge“ zu treffen. Jesus sagt aber: Sorget euch nicht. Steht das nicht im Widerspruch zu alledem?

Ist Dir eigentlich schon aufgefallen, wie falsch wir das  Wort „sorgen“ benutzen? Jesus sagt zwar: Sorget euch nicht. Er sagt aber nicht: Kümmert euch nicht darum. Ich muss und soll mich sehr wohl um Dinge kümmern, die notwendig sind, aber ich brauche und soll mir deshalb keine Sorgen machen. Denn Sorgen besetzen mich, halten mich fest und lassen mich nicht frei. Hast Du schon einmal eine Nacht wach gelegen und Dich gesorgt? Ja, - dann, weißt Du auch, dass das Sorgen eine fatale und geradezu teuflische Eigenschaft hat: Kaum denkt man daran, dann verbreitet und vermehrt sie sich wie die Pest. Es liegt in der Natur der Sorge: Eine Sorge zieht immer neue Sorgen nach sich. Und nach so einer Nacht ist man dann geschafft und auch das liegt in der  Natur der Sorge: Sie entkräftet und schwächt uns.

Seht Ihr, deshalb verstehe ich Jesus sehr gut, wenn er meint: Vergeudet Eure Kraft nicht aus Sorge. Denn das Sorgen bringt nichts. Tut die Dinge, die nötiger, wichtiger, lebensentscheidender sind, aber sorgt Euch nicht darum. Die Zeit und die Kraft, die Ihr verbraucht, um Euch um widrige Umstände zu sorgen, die sollt Ihr lieber nutzen, um diese widrigen  Umstände zu ändern.

Sicherlich gibt es auch echte Sorgen, Sorgen, die meist aus begründeter Angst entstehen. Ein  Pfarrer, der lange Zeit im KZ gesessen hatte, sagte einmal: „Wissen Sie, ich habe gelernt, dass man nie mehr Angst haben muss als nötig.“ Könnte dieses nicht ein Schlüsselwort sein? Dann hieße es nämlich: Sorgt euch nicht, habt nicht mehr Angst als nötig, räumt den Dingen, die ihr fürchtet, nicht mehr Platz ein, als ihnen zusteht. Sorgt euch nicht, heißt dann auch: Versäumt nicht, über die Sicherung eurer Zukunft und über die Angst vor eurer Zukunft und eurer Gegenwart nachzudenken. Sorge entsteht nämlich immer da, wo wir Unsicherheit erfahren.

In diese Situation hinein sagt Jesus: Sorget euch nicht! Aber er sagt das nicht, weil er unsere Angst nicht ernst nimmt, und er tut diese, unsere Angst, auch nicht leichtfertig ab, und er meint auch nicht, dass das Gegenteil von Sorgen Leichtsinn ist. Nein, er nimmt unsere Angst ernst. Doch er sagt uns: Nicht Leichtsinn ist das Gegenteil von Angst, sondern  Vertrauen.  Und er macht uns dabei auf die Blumen und die Vögel aufmerksam. Er ermutigt uns, auf Gott zu vertrauen, dem unser Wohlergehen sicherlich wichtiger ist als das der Vögel und der Blumen.

Lasst uns noch ein wenig bei diesem Bild verweilen und etwas darüber nachdenken: Gehen wir einmal hin und betrachten die Vögel. Wir werden feststellen: Sie säen wirklich nicht und sie ernten nicht. Sie tun also nichts dergleichen. Und doch ist es nicht so, als ob sie gar nichts täten. Ich sehe, wie sie Nester bauen, Jungen ausbrüten, die Jungen füttern mit Insekten und Würmern, die sie fangen. Und ich stelle fest, die Vögel tun durchaus etwas. Aber eins tun sie nicht: Sie sorgen sich nicht. Sie tun genau das, wozu sie da sind. Sie verhalten sich so und leben so, wie es ihnen angemessen ist. Sie tun ganz selbstverständlich das, was ihnen aufgegeben ist und was Vögel eben tun, weil sie Vögel sind. Und sie stellen das, was sie sind, nicht in Frage, sie sorgen sich nicht.

Oder nehmen wir die Blumen. Sie arbeiten nicht, sie machen sich keine Kleider und sind doch wunderschön. Doch ich sehe auch, dass sie sehr wohl etwas tun. Wachsen, sie graben ihre Wurzeln in die Erde, sie öffnen sich am Morgen und schließen sich am Abend, sie strecken sich dem Licht entgegen. Sie tun alles, was Blumen  tun, weil sie eben Blumen sind. Sie sind das, was sie tun. Sie leben ganz selbstverständlich ihr Blumenleben. Sie stellen es nicht in Frage, sie sorgen sich nicht.

Siehst Du, liebe Biker- und Trikerschwester und -bruder, das ist genau die  Spur, die zu Dir führt. Hier wirst Du mit den Fragen konfrontiert: Wie ist das mit Dir? Lebst Du auch Dein Menschenleben? Lebst Du das Leben mit einer solchen Selbstverständlichkeit wie die Blumen oder die Vögel das ihre? Tust Du auch das, wozu Du da bist, wozu Gott Dich geschaffen hat? Lebst Du ganz einfach das, was Du bist?

Automatisch drängen sich bei dieser Überlegung die Fragen auf:  Wer bin ich denn überhaupt? Wozu bin ich hier auf dieser Erde? Ja, wie müsste eigentlich mein Leben aussehen, wenn ich lebte, was ich bin? Wenn ich auf der Linie und im Sinne Christi danach frage, dann frage ich nicht, was sich vom Ansehen her über den Menschen aussagen lässt.  Wenn ich im Sinne Jesu frage, dann frage ich auch nicht danach, wie der Mensch lebt, wie er sich verhält und was ihn vom Tier unterscheidet. Nein, das sind Fragen, um deren Antwort sich die Wissenschaft bemüht. Christliches Fragen geht über das  Vorfindliche und Beschreibbare hinaus. Christliches Fragen ist das Fragen nach dem Ursprung des Menschen, nach seinem  Ziel, nach seinem Entwurf.  Was aber ist dieser Entwurf? Er ist die Summe aller Hoffnung und aller im Menschen angelegten Möglichkeiten. Zusammengefasst und konkretisiert heißt das: Ich bin Gottes Kind und als solches bin ich frei. Ich werde von Gott, meinem  Vater geliebt, und weil Gott mich liebt, bin ich auch selbst in der Lage zu lieben. Liebe Biker- und Trikerschwester und -bruder, ich frage Dich nun: Lebst Du eigentlich das, was Du bist? Lebst Du nach diesem Entwurf Gottes? Lebst Du als Gottes Kind? Lebst Du so, dass Deine Freiheit für alle Menschen sichtbar und spürbar ist? Können andere Menschen erkennen, dass Du von Gott geliebt wirst und dass Du aus diesem Grunde selbst lieben kannst? Wenn wir ehrlich sind, dann bleibt uns auf diese Fragen nur die Antwort: Ich bleibe weit, weit hinter dem Entwurf Gottes zurück. Das, was das Bild mit den Vögeln und Blumen mit uns gemeinsam hat, das ist die Tatsache, dass wir alle von Gott entworfen sind. Das Trennende aber ist die Tatsache, dass die Blumen und die Vögel nicht hinter ihrem Entwurf zurückbleiben, während ich es tue.

Christus möchte, dass wir dem Entwurf Gottes entsprechen, denn nur so gibt es für uns ein Leben, das mit dem Tod nicht zu Ende ist, sondern das dann eigentlich erst richtig los geht. Dem Entwurf Gottes zu entsprechen, ist das Allerwichtigste, sagt Jesus: Darum sollt ihr euch zuerst kümmern. Alles andere, Essen und Trinken, Ansehen und Beruf, das ist nur Beiwerk. Das alles ist schön und gut und sogar wichtig, aber es kommt erst an zweiter Stelle! Denn, und das möchte ich mit allem Nachdruck sagen, wenn unsere Grundeinstellung, unsere Grundidentität nicht in Ordnung ist, dann kann auch das andere nicht in Ordnung sein. Und es ist nicht in Ordnung, wenn wir weiterhin nicht nach Gottes Entwurf leben und immer nur das Beiwerk als lebensnotwendig hinstellen und es auf den ersten Platz setzen. Sorgt euch also zuerst darum, dass Gott bei euch geehrt wird und dass unter seiner Herrschaft etwas Gerechtes unter euch geschieht und dass er einen festen Platz in eurem Leben hat. Das Übrige wird er euch dazugeben.

Aber wie mache ich das? Bestimmt nicht, indem ich mich darum sorge. Sorge richtet sich immer auf das Überleben und das Durchkommen. Ich will und soll aber nicht überleben, sondern Christus will, dass ich lebe! Das Leben aber entzieht sich meiner Sorge. Denn das Leben kann ich mir nicht selbst geben, das Leben bekomme ich geschenkt und zwar jeden Tag neu !!!! Ich kann auch das Leben nicht wie meinen Besitz festhalten. Ich kann es auch nicht vermehren, wie ich Kapital vermehren kann. Das einzige, was ich tun kann, ist, das Leben als Geschenk Gottes anzunehmen und mich darauf einzulassen. Mein Leben hängt nicht von meinen Sorgen ab. Ich kann es dadurch höchstens verkürzen, nicht aber um nur einen Tag verlängern. Was ich aber kann, und ich bitte Euch, das auch zu tun, ich kann die Liebe, die ich bekomme, weitergeben. Ich kann sie nicht herstellen, denn sie ist im Überfluss da. Ich kann, darf und sollte sie nur annehmen und mich ganz und gar hinein geben. Alles, aber auch alles, was unser Leben überhaupt erst zum Leben macht, bekommen wir geschenkt. Und das alles liegt außerhalb des Bereiches, den ich durch mein Sorgen schaffen oder verändern kann.

Ich kann Euch, liebe Biker- und Trikerschwestern und  -brüder, kein Rezept geben, wie man das macht, denn Rezepte gelten immer nur für Machbares und Herstellbares. Machbar aber ist so ein Leben nicht. Aber ich möchte Euch Richtungsweiser anbieten: Vieles findet Ihr in der Bibel und darum allein lohnt es sich, des Öfteren in ihr zu lesen. Auch das abendliche Gebet, in dem Du Deinen Tag voller Dank Revue passieren lässt, ist so ein Richtungsweiser. Und es gibt noch viele  Richtungsweiser, die Ihr mit etwas Phantasie finden werdet. Einer davon kommt sicher in folgender kleinen Geschichte zum  Ausdruck: Ein weiser Einsiedler wurde einmal von einem Mann gefragt, welches ist der wichtigste Augenblick in meinem Leben? Was ist der wichtigste Mensch für mich? Und was ist die wichtigste Tat für mich? Der Einsiedler antworte: Der wichtigste Augenblick ist immer jetzt. Der wichtigste Mensch ist immer der, mit dem du gerade zusammen bist. Und die wichtigste Tat ist immer, diesem Menschen Liebe zu erweisen!

Ich wünsche Euch allen noch viele schöne Tage auf Eurer Durchreise durch diese Welt !

Amen.


 

 


 

 

Bikergottesdienst am 17.05.2009
in Büdelsdorf gehalten von Peter - Pastor

 

Johannes 20, 19 - 29: Am Abend aber dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch! Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen. Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.

Thomas aber, der Zwilling genannt wird, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Da sagten die andern Jünger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er aber sprach zu ihnen: Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und meinen Finger in die Nägelmale lege und meine Hand in seine Seite lege, kann ich's nicht glauben.

Und nach acht Tagen waren seine Jünger abermals drinnen versammelt, und Thomas war bei ihnen. Kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren, und tritt mitten unter sie und spricht: Friede sei mit euch! Danach spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Spricht Jesus zu ihm: Weil du mich gesehen hast, Thomas, darum glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!

Liebe Bikerschwestern und –brüder, es ist gerade mal fünf Wochen her, da haben wir das größte christliche Fest gefeiert, nämlich Ostern.  Ein Fest, das bei vielen von uns verbunden war mit der Fahrt nach Husum zum MoGo oder mit einer Ausfahrt durch unser schönes Schleswig-Holstein. Auch wenn fünf Wochen keine lange Zeit ist, so haben die Meisten Ostern schon längst abgehakt und in die Schublade der Vergangenheit zurückgelegt. Vielleicht liegt das daran, dass nur noch wenige wissen, warum wir überhaupt Ostern feiern. Weißt Du wenigstens, was Ostern passiert ist?

Für die Christen endet die Osterzeit in der nächsten Woche mit Himmelfahrt. Die Zeit in der wir uns momentan befinden ist also die Spanne zwischen Auferstehung und die Rückkehr Jesu zu Gott. Es ist die Zeit, in der Christus versucht hat seinen Jüngern das Unfassbare begreiflich zu machen. Auch sie verstanden nicht, dass ein Mensch, der tot ist, plötzlich wieder lebt. Sie begriffen nicht, dass eine biologische Unmöglichkeit bei Gott möglich ist. Christus war gekreuzigt, er war tot. Der römische Soldat hatte ihm sogar mit einer Lanze ins Herz gestochen. Und doch lebte er. War bei ihnen, ließ sich von Ihnen berühren und sprach mit ihnen. Plötzlich aber - so erzählt dann Johannes - war der da, den keiner der Jünger mehr auf der Rechnung hatte. Plötzlich war der Auferstandene mitten in den Raum getreten und zeigte ihnen die Wundmale seiner Kreuzigung. Die verschlossenen Türen konnten ihn nicht hindern. Friede sei mit euch! Auf einmal war er da, und auf einmal war alles anders.

Christus durchbricht die Mauern, die uns Menschen die Luft zum Atmen rauben, und er bringt den Frieden, der uns mit Gott und untereinander verbindet. Aus Trauer und Ratlosigkeit, aus Flucht und Abschottung, aus Angst und Verzweiflung wird Freude und Gewissheit, Bekenntnis und Predigt zur Welt, wird neues Leben, das anderen wiederum zum Leben verhilft. Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch! sagt Jesus seinen Jüngern und gibt uns diesen Einsatzbefehl heute ebenso mit auf den Weg.

Aber Christus macht noch mehr: Er gibt seinen Jüngern die Vollmacht der Vergebung der Sünden. Welchen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlassen, und welchen Ihr sie behaltet, denen sind sie behalten! Ja, er gibt seinen Jüngern ein Stück der Macht Gottes, vertraut ihnen Großes an und vertraut ihnen, um Luther zu zitieren: „...die Schlüssel des Himmels und der Hölle“ an. Die Sünde ist die Kluft, die Gott und Mensch trennt, denn Sünde kommt von „Sund“, also von dem, was der Mensch von sich aus nie überwinden kann. Er kann zwar seine Sünde bereuen, aber er kann sie nicht „aus der Welt schaffen“. Die unvergebene Sünde wird den Menschen immer von Gott trennen, darum ist die Vergebung so wichtig, denn sie ist lebensentscheidend. Menschen, die sagen: Ich habe keine Sünde, sind Lügner, die nicht nur andere sondern sich selbst belügen. Überleg einmal, wie oft Du heute schon gesündigt hast!? Ich meine nicht nur die 70, die Du in der Ortschaft gefahren bist, oder die 120 und mehr auf der Landstrasse, sondern ich frage Dich: Hast Du von der vielen Liebe, die Du heute schon von Gott geschenkt bekommen hast, etwas abgegeben? Aber Jesus spürt auch, dass hier bei den verängstigten Jüngern nicht nur Worte helfen, ihre Furcht zu überwinden, sondern dass hier Beistand nötig ist: Und er blies sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den heiligen Geist! Er gibt ihnen Kraft und macht ihnen Mut hinauszugehen in die Welt, sein Wort zu verkündigen und andere von ihren Sünden los zu sprechen. Er gibt ihnen einen langen / seinen langen Atem. Eigentlich könnte damit das Evangelium enden, wenn, ja, wenn nicht da noch dieser Jünger namens Thomas wäre. Er war nicht dabei als Jesus zu den Jüngern kam. Er hat von alledem nichts mitbekommen. Er zweifelt an den Aussagen der anderen: Er aber sprach zu ihnen: Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und meinen Finger in die Nägelmale lege und meine Hand in seine Seite lege, kann ich's nicht glauben. Und plötzlich merken die Jünger, dass man Glaubenserfahrungen nicht einfach weiterreichen kann, wie einen Stab beim Staffellauf. Thomas der Zweifler“ oder der „ungläubige Thomas“, so pflegen wir ihn seitdem zu nennen. Der, der immer alles vorher mit eigenen Augen gesehen und mit eigenen Händen betastet haben muss, bevor er es glaubt. Sein Bemühen, durch Anfassen, durch Begreifen zu eigenen Glaubenserfahrungen zu kommen, ist in der Geschichte der Kirche immer wieder verdächtigt und kritisiert worden. Als sei es ihm um Beweise dessen gegangen, was man nicht beweisen kann. Dabei ist er nur einer, der den Dingen auf den Grund geht, der nicht blind alles glaubt, was ihm erzählt wird, der sein Leben auf ein sicheres, tragfähiges Fundament stellen will. Also, ich muss sagen: Mir ist er sympathisch, dieser Thomas.

Dass Jesus auferstanden ist und lebt, das kann man nicht allein deshalb für wahr halten, weil andere es so  sagen  oder behaupten. Dazu muss ich selber durch eigene Erfahrungen kommen. Eigene Erfahrungen zu machen, heißt aber doch, liebe Biker und Bikerrinnen, nicht einfach die Erfahrungen von anderen zu übernehmen, sondern selber diese Glaubensschritte zu machen. Glauben heißt, den Erfahrungen anderer nicht blind zu vertrauen, sondern sie zu überprüfen und selber nach persönlichen Erfahrungen zu suchen. Ohne diesen Zweifel gibt es keinen Glauben. Aber wenn ich mich nicht auf die Suche mache, dann finde ich auch keinen Glauben. Der Glaube kommt nicht wie Regentropfen vom Himmel, sondern er will gesucht und gefunden werden.

Thomas ist ein Jünger, der lernen will, und zwar nicht allein durch Hören und Sagen, sondern auch durch Sehen und Anfassen. Und ist er mit diesem Bedürfnis nicht ganz nahe bei Jesus, der ja auch mehr will, als sich nur sehen und hören lassen. Christus will, dass wir Menschen leibhaftige Erfahrungen mit ihm machen. Er möchte von uns leibhaftig aufgenommen werden - beim Abendmahl z. B.  Deshalb ließ er sich berühren vom Leid der Menschen. Ja, liebe Bikerschwestern und -brüder, hören, sehen und berühren bzw. in sich aufnehmen, machen erst den ganzen Glauben aus. Glaubenserfahrungen sind in erster Linie leibhaftige Erfahrungen und nicht gedankliche Leistung oder gar Akrobatik für das Gehirn. Der Glaube kann nicht ohne sichtbare Zeichen auskommen. Bei dem Sakrament der Taufe ist es das Wasser, bei dem Sakrament des Abendmahls ist es Brot und Wein und beim Sakrament der Beichte, bzw. „vom Amt der Schlüssel“, ist es die Lossprechung, die ja eigentlich unter der Berührung, z. B. der Handauflegung oder Salbung geschehen sollte. Thomas wird von Jesus nicht getadelt, aber er wird von ihm korrigiert. Nicht das „Sehen wollen“, sondern die Bedingung „wenn - dann“, ist das, was Jesus tadelt und was dem Glauben fremd ist. Wenn ich nicht sehe, dann kann ich nicht glauben. Thomas will seinen Abstand erst aufgeben, wenn er gesehen hat. Glaube entsteht nur durch Vertrauen und das heißt, seine Distanz aufzugeben. Man kann berühren und fühlt doch nicht. Man kann sehen und erkennt doch nicht. Man kann hören und doch nicht verstehen. Das ist bei der Taufe so, und das ist beim Abendmahl so, das ist bei der Beichte so und das ist beim Glauben so. Ich muss wollen! Ich muss bereit sein, zu glauben! Und ich muss bereit sein, meine mir selbst aufgebaute und   mir im Wege stehende Distanz aufzugeben! Ja, ich muss bereit sein, mich von Christus berühren zu lassen !

Thomas, den wir ja den „Ungläubigen“ nennen, ist nach der Berührung mit Jesus hingezogen bis nach Indien, um dort das Evangelium zu predigen. Er hat sein Wort, seinen Glauben in die Tat umgesetzt. Und er hat seine Begegnung mit dem Auferstandenen nicht nur in, sondern mit seinem Leben bezeugt. Solange jedenfalls bis er im Jahr 67 in Madras von Lanzen durchbohrt den Märtyrertod stirbt.

Karfreitag und Ostern ist der Schnittpunkt vom irdischen und ewigen Leben. Während das Eine endet, beginnt das Andere. Das galt damals für die Jünger und das gilt heute für Dich und mich. Es ist darum wichtig, dass ich in diesem Leben mich auf dieses Ereignis vorbereite und mir nicht zu viel Ballast auflade, der mich daran hindert, fröhlich dem entgegen zu gehen. Dazu ein kleiner Gedanke: Auf einer Tour kam ein Biker gegen Abend an einem Kloster vorbei, und da er nirgendwo ein Zimmer gefunden hatte, bat er um eine Unterkunft für die Nacht. Ein alter Mönch führte ihn daraufhin durch das Kloster und zeigte ihm erst die Räumlichkeiten, dann sein eigenes  Zimmer und schließlich das Zimmer, das für den reisenden Biker bestimmt war. „Sagen Sie mal“, fragte der Biker den Mönch, „warum sind die Räume so spärlich eingerichtet? Wo haben Sie denn Ihre Möbel?“ Der Mönch schaute ihn eine zeitlang an, bevor er fragte: „Wo haben Sie denn Ihre Möbel?“ „Ich bitte Sie“, entgegnete der Biker, „ich bin doch nur auf der Durchreise!“ „Sehen Sie“, sagte daraufhin der alte Mönch, „ich auch!“ Denk daran: Auch Du bist in und mit Deinem Leben „nur auf der Durchreise“. Darum, liebe Bikerschwestern und -brüder, lasst uns auch das, was Ihr erfahrt, sei es bei der Taufe als Eltern und Paten, oder bei der Beichte oder beim Abendmahl, oder beim MoGo, in Eurem Leben auch für andere deutlich und sichtbar werden. Fahrt hinaus auf die Straße Eures Lebens und sagt andern Menschen etwas über Gott, zeigt ihnen, dass Ihr als Christen zu den Gewinnern gehört und dass Ihr an der Schnittstelle Eures Lebens nur Eure alte Maschine stehen lasst, um mit einer neuen durchs ewige Leben zu knattern.

Amen.


 

 

 

 

 

Predigt zum Hamburger Motorradgottesdienst am 13.6.2010
gehalten von Pastor Erich Fehling

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn, Jesus Christus. Amen.

Das hier ist ein Fixateur. Allerdings nur ein Nachbau. Das Original besteht aus Kohlefaser und kostet 20.000 Euro. Echt an diesem hier in meiner Hand sind die 6 Edelstahlschrauben, drei je 19 cm, drei je 25 cm lang, blitzblank. Jetzt wieder blitzbank, denn vor einem knappen Jahr haben sie im Fleisch und im Knochen von Jan gesteckt.

Hinter der Kurve ..... So lautet das Motto des diesjährigen MOGO und das Motto dieser Predigt.

Hinter der Kurve hat Jan diesen Fixateur gefunden und die 6 Edelstahlschrauben. Oder jedenfalls indirekt hat er sie dort gefunden. Zunächst einmal hat er dort ein Auto gefunden, das quer zu seiner Fahrtrichtung in die Kurve einfuhr. Den Aufprall kann Jan nicht mehr erinnern. Aber an die Monate danach haben er, seine Frau, seine Familie und wir alle vom MOGO viele Erinnerungen. Da war Panik, Riesenangst, endlose Telefonate quer durch die Republik: Jan ist schwer verunglückt. Und wir wissen nicht, ob er überleben wird. Mails, Einträge in Gästebücher und Foren, Gebete, Zittern und Bangen. Dutzende OPs, Intensivstation, Monate im Krankenhaus, offene Wunden, zaubernde Ärzte, Rückenmuskeln, die am Knie neu anwachsen... Was hat der liebe Gott der Natur und den Menschen nicht alles an unfassbaren Heilungsmöglichkeiten und –Vielfalten geschenkt. Der Fixateur gehört dazu.

Heute ist Jan hier. Da sitzt er. Den Fixateur hat er selber für heute nachgebaut. Nur die Schrauben, das sind die Originalschrauben von damals.  

Hinter der Kurve.... kann ganz schön was los sein. Kann ganz Schreckliches liegen oder auch etwas Wunderschönes. Jan hat die Kurve gekriegt, Monate, nachdem er in der Kurve sein Leben fast verloren hatte. Wir sind Gott und allen, die daran mitgeholfen haben, dankbar, dass das möglich war.

Hinter der Kurve. ...

Einmal ganz weg vom Schrecklichen, ganz grundsätzlich betrachtet, liegt hinter der Kurve ... Unser Leben vor uns, und es kann herrlich sein, fast wie über den Wolken, wo seit Reinhard Mey die Freiheit ja grenzenlos ist. Und sind Kurven nicht grundsätzlich  mindestens so schön wie Fliegen ? Durch die Kurve gehen, reinlegen, am Scheitelpunkt langsam oder sogar rasant herausbeschleunigen. Wem willst Du das Gefühl erklären ? Das muss man erlebt haben. Kein Mensch, der noch nie auf zwei Rädern unterwegs war, begreift diese Faszination. Man kriegt fast nicht genug davon. Und ich finde, man kann es als Bild aufs Leben übertragen: Leben bietet doch auch immer wieder Stellen wie Kurven: Man sieht sie kommen, bremst kurz an, geht dann in Ideallinie rein, und auf dem Höhepunkt beschleunigt man raus, spürt die Fliehkraft, genießt das Gefühl, sie zu beherrschen. Und wenn man durch ist, stellt sich eine seltsame Befriedigung ein, als habe man etwas Wichtiges geschafft.Aber bei aller Freude über das, was man da geschafft hat; ist da nicht auch eine gehörige Portion Trugschluss möglich? Ich meine vor allem das Gefühl, die Sache im Griff zu haben, das Gefühl von Beherrschung. Wenn wir meinen, wir hätten alles im Griff, sind wir  dann nicht immer zugleich auch im Grenzbereich unseres Lebens angekommen, auf der Straße und im Alltag unseres Lebens ? Und tun nicht Abstürze aus solchen Momenten immer besonders weh, bzw. machen besonders viel Angst ?

Und was tun wir dann, wenn es uns so ergeht ?

Suchen wir Schuldige ? Zeigen wir mit Fingern ? Kommen wir bei dieser Suche und beim Fingerzeigen bis zu Gott und geben ihm Schuld ? „Wie konnte er das zulassen ?“ Oder gehen wir den anderen Weg und stilisieren uns, bzw. unsere Lieben zu so etwas wie gestürzten Helden ? „Only the good die young ? Oder Biker töten nicht, sie werden getötet ?“

Ich würde gerne ganz wegkommen von der Frage nach Schuld. Ich glaube, diese Frage gibt es nur zwischen Menschen und vor irdischen Gerichten. Und wir werden dabei immer am Ende zu kurz fassen. Und vor allem wurde noch keiner wieder lebendig, bloß weil es einen Schuldigen gab. Die Frage nach den Schuldigen führt über kurz oder lang immer in die Verdrängung und anschließend in die Einsamkeit. „Ich war es jedenfalls nicht“, heißt die Antwort. Und wenn das alle sagen, steht einer am Ende ganz alleine da. Ich will aber nicht alleine dastehen. Ich will leben. Durch die Kurve hindurch und auch hinter der Kurve will ich leben, ganz gleich, was sie mir bringt. Und dazu brauche ich Gott. Gott dabei, auf dem Soziussitz oder noch viel besser im Herzen. Gott, nicht als Garantiebrief, auch nicht als Schuldigen, auch nicht als Versicherer für alle Lagen, sondern Gott, wie ihn fast unübertrefflich Psalm 139, in den Versen 9+10 schildert:

Und nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten...

Hinter der Kurve ...

Wir Menschen sind immer wieder so verdammt sicher, dass wir den Kurvenausgang kennen. Dass wir das schon hinkriegen werden. Wir  meinen, wir hätten geradezu ein Anrecht darauf, zu wissen, was kommt. Und wisse doch nichts. Niemals weiß ich, was hinter der Kurve kommt. Ob Freude oder Gefahr, ob glücklicher Ausgang oder heftiger Sturz. Und der Psalm sagt. Ich kann dennoch leben. Weil ich weiß, auch am äußersten Meer – die Menschen damals stellten sich einen Ort am Rand der Erdscheibe vor, direkt, bevor man ins endlose Nichts stürzt – ich weiß, selbst am äußersten Meer gehe ich nicht verloren. Der Ausgang der Kurve bleibt wichtig. Aber er entscheidet nicht darüber, ob ich lebe. Jedenfalls nicht in der tiefsten Dimension des Lebens. Keine Kurve dieser Welt kann mich aus dem Leben heraustragen, wie Gott es schenkt, was auch passiert. Das ist heikel, so zu glauben. Denn man muss ziemlich viel loslassen, um sich auf diese Art in Gottes Hand zu geben. Wir sind nicht mehr ganz so große Helden, wenn wir die Kurven des Lebens unter dieser Überschrift meistern. Wir gehen aber auch nicht mehr verloren, geschehe, was will. Leben wird neu sortiert, wenn man Gott mit in die Kurve nimmt.  

Hinter der Kurve ...

Wenn ich diesen Satzanfang, diese drei Worte versuche, mit Gottes Augen zu sehen, kann ich wagen, den Blick zu wechseln, weg von der Angst, weg von Schuldzuweisung, weg vom Zwang, alles selbst zu beherrschen. Hin auf eine ganz neue Art, die Kurve zu kriegen. Weil da einer ist, der sie voller Liebe mitfährt. Und weil das wichtiger ist, als dass der Kurvenausgang wie geplant verläuft. Wer das zu glauben wagt, dem wird es auf Dauer den Fahrstil des Lebens verändern. Leben und Fahren im Leben werden neu sortiert, wo wir mit Gott durch die unzähligen, unüberschaubaren, herrlichen, gefährlichen, erhebenden, zerstörenden Kurven des Lebens hindurch fahren. Auf einmal geht das Doppelte: Ich bleibe ich. Und doch bin ich nicht allein unterwegs. Gott schenkt mir Leben, das bis zum Himmel reicht. Und trotzdem fahre ich meine Kurven quer durch diese Welt. Ich bin mit Gott verbunden und doch zugleich dabei noch freier, als wenn ich alles allein mache.

Hinter der Kurve ...

Bin ich Moralapostel und Spaßverderber, wenn ich von den Gefahren und Bedrohungen spreche? Oder predige ich Träumerei, wenn ich von den wunderbaren Möglichkeiten hinter der Kurve erzähle? Oder bin ich weltfremd fromm, wenn ich einlade, Gott mit in die Kurve zu nehmen? Ich hoffe, ich bin nichts von alledem, sondern Prediger des offenen Endes einer jeden Kurve. Das ist Freiheit. Und ebenso Prediger eines Gottes, der uns durch die Kurven unseres Lebens hindurch begleitet.

Das ist Sicherheit.

Und schließlich Prediger des Lebens, das bis zum Himmel reicht.

Das ist die Zukunft. Freiheit. Sicherheit. Zukunft.

Gott ist ein treuer Gott. Das war er bei Jan.

Und ich sehne mich danach, dass er es auch bei jeder und jedem von uns sein darf.

Damit wir frei sind, aber nicht einsam.

Damit wir geborgen und gehalten fahren.

Damit wir Zukunft haben.

Hinter der Kurve ...

und überall.

Amen.


 

 

 

 

Predigt für Sonntag Exaudi
gehalten von Pastor P. Langenstein
am 5. Juni 2011 in Satrup

 

Joh. 7, 37 – 39: Aber am letzten Tages des Laubhüttenfestes, welcher der höchste war, trat Jesus auf, rief und sprach: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke. Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Ströme des lebendigen Wassers fließen. Das sagte er von dem Geist, welchen empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn der Geist war noch nicht da, denn Jesus war noch nicht verherrlicht.

Liebe Schwestern und Brüder! Unser heutiger Predigttext spricht von Durst und Wasser. Für mich sind diese beiden Begriffe mit die wichtigsten im Leben eines Menschen. Wie sehr wir vom Wasser abhängig sind, das merken wir selbst hier bei uns, wenn es mal längere Zeit nicht geregnet hat.  Und dennoch meine ich, dass von uns noch nie jemand richtig Durst gehabt hat, noch nie jemand kurz vor dem Verdursten war. Vielleicht ist das auch der Grund, warum wir oft so verschwenderisch mit Wasser umgehen, warum Wasser bei uns nichts Wertvolles ist. In Bahrain, wo ich damals im Golfeinsatz war, zahlt man für Wasser mehr als für Benzin.

Christus braucht in seinen Predigten sehr oft das Bild des Wassers, um den Menschen etwas deutlich zu machen. Wenn er von Durst sprach, dann wußten seine Zuhörer, was er meinte, denn Durst war für einen Menschen im Orient etwas, was zum täglichen Leben dazu gehörte. Ganz anders als bei uns heute. Und dennoch glaube ich, auch bei uns leiden sehr, sehr viele Menschen an Durst. Es ist sicher ein anderer Durst, als der, den ich durch das Wasser aus einer Leitung stillen kann, aber es ist ein Durst, an dem viele verdorren, verbrennen, sterben. Ja, liebe Schwestern und Brüder, sind wir nicht alle auf der Suche nach der Quelle des Lebens? Sind wir nicht alle auf der Suche nach dem Wasser, das uns Liebe und Geborgenheit in vollen Zügen trinken läßt? Saint Exupéry hat in seinem Buch "Der kleine Prinz" einmal diese Sehnsucht nach Wasser sehr schön beschrieben. Ich möchte Ihnen ein Stück daraus vorlesen.

                       T E X T ( aus "Der kleine Prinz" )

Es war am achten Tag nach meiner Panne in der Wüste, und ich hörte gerade die Geschichte vom Pillenverkäufer, als ich den letzten Tropfen meines Wasser­vorrats trank.

»Ach«, sagte ich zum kleinen Prinzen, »deine Erinne­rungen sind ganz hübsch, aber ich habe mein Flugzeug noch nicht repariert, habe nichts mehr zu trinken und wäre glücklich, wenn auch ich ganz gemächlich zu einem Brunnen gehen könnte!«

»Mein Freund, der Fuchs«, sagte er

»Mein kleines Kerlchen, es handelt sich nicht mehr um den Fuchs!«

»Warum?«

»Weil man vor Durst sterben wird.«

Er verstand meinen Einwand nicht, er antwortete: »Es ist gut, einen Freund gehabt zu haben, selbst wenn man sterben muß. Ich bin froh, dass ich einen Fuchs zum Freunde hatte ...

Er ermißt die Gefahr nicht, sagte ich mir. Er hat nie Hunger, nie Durst. Ein bißchen Sonne genügt ihm ...

Aber er sah mich an und antwortete auf meine Gedanken: »Ich habe auch Durst ... suchen wir einen Brunnen...«

Ich machte eine Gebärde der Hoffnungslosigkeit; es ist sinnlos, auf gut Glück in der Endlosigkeit der Wüste einen Brunnen zu suchen. Dennoch machten wir uns auf den Weg.

Als wir stundenlang schweigend dahingezogen wa­ren, brach die Nacht herein, und die Sterne begannen zu leuchten. Ich sah sie wie im Traum, ich hatte ein wenig Fieber vor Durst. Die Worte des kleinen Prinzen tanz­ten durch mein Bewußtsein.

»Du hast also auch Durst?« fragte ich ihn.

Er antwortete nicht auf meine Frage. Er sagte einfach: »Wasser kann auch gut sein für das Herz ... «

Ich verstand seine Worte nicht, aber ich schwieg... Ich wußte gut, daß man ihn nicht fragen durfte. Er war müde.

Da der kleine Prinz einschlief, nahm ich ihn in meine Arme und machte mich wieder auf den Weg. Und während ich so weiterging, entdeckte ich bei Tagesanbruch den Brunnen.

Der Brunnen, den wir erreicht hatten, glich nicht den Brunnen der Sahara. Die Brunnen der Sahara sind einfa­che, in den Sand gegrabene Löcher. Dieser da glich einem Dorfbrunnen. Aber es war keinerlei Dorf da, und ich glaubte zu träumen.

»Das ist merkwürdig«, sagte ich zum kleinen Prin­zen, »alles ist bereit: die Winde, der Kübel und das Seil...«

Er lachte, berührte das Seil, ließ die Rolle spielen. Und die Rolle knarrte wie ein altes Windrad, wenn der Wind lange geschlafen hat.

»Du hörst«, sagte der kleine Prinz, »wir wecken diesen Brunnen auf, und er singt ... «

Ich wollte nicht, daß er sich abmühte.

»Laß mich das machen«, sagte ich zu ihm, »das ist zu schwer für dich.«

Langsam hob ich den Kübel bis zum Brunnenrand. Ich stellte ihn dort schön aufrecht. In meinen Ohren war noch immer der Gesang der Zugwinde, und im Wasser, das noch zitterte, sah ich die Sonne zittern. »Ich habe Durst nach diesem Wasser«, sagte der kleine Prinz, »gib mir zu trinken ... «

Und ich verstand, was er gesucht hatte.

Ich hob den Kübel an seine Lippen. Er trank mit geschlossenen Augen. Das war süß wie ein Fest. Dieses Wasser war etwas ganz anderes als ein Trunk. Es war entsprungen aus dem Marsch unter den Sternen, aus dem Gesang der Rolle, aus der Mühe meiner Arme. Es war gut fürs Herz, wie ein Geschenk.

»Die Menschen bei dir zu Hause«, sagte der kleine Prinz, »züchten fünftausend Rosen in ein und demselben Garten ... und doch finden sie dort nicht, was sie suchen.«

»Sie finden es nicht«, antwortete ich ...

»Und dabei kann man das, was sie suchen, in einer einzigen Rose oder in einem bißchen Wasser finden...«

»Ganz gewiß«, antwortete ich.

Und der kleine Prinz fügte hinzu:

»Aber die Augen sind blind. Man muß mit dem Herzen suchen.«

Liebe Schwestern und Brüder, sind wir nicht so wie dieser Mann in der Wüste? Sind wir nicht auch ständig auf der Suche nach Wasser, nach Wasser, das uns am Leben erhält, nach Wasser, das unserem Leben wieder eine Zukunft gibt, nach Wasser, das uns wieder glücklich werden läßt?  Wie oft begegne ich Menschen, jungen und alten, die resigniert feststellen: ... es ist sinnlos, auf gut Glück in der Endlosigkeit der Wüste des Lebens einen Brunnen zu suchen. Wie oft haben mich Menschen resignierend gefragt: „Was soll ich machen? Es hat doch alles keinen Sinn! Mein Leben ist sinnlos!“ Und diese Menschen standen oft gerade erst am Beginn ihres Lebens, hatten das

Meiste noch vor sich und meinten doch schon, alles hinter sich zu haben. Ich glaube, das ist die große Krankheit unserer Zeit: Wir sehen unsere Zukunft nur grau in grau. Medien und Politiker malen unsere Welt nur noch in dunklen Farben, und wir glauben ihnen und übernehmen diese Ansichten. Alles, was nicht mehr wird, ist heutzutage Rückschritt. Wir haben verlernt mit dem zufrieden zu sein, was wir  haben. Wir haben verlernt, auch mal etwas weniger zu haben, Abstriche zu machen und dennoch glücklich zu sein. Ja, liebe Schwestern und Brüder, wir gehen in der Wüste des Lebens auf der Suche nach einem Brunnen, aber ohne Hoffnung, ihn zu finden. Durst

haben wir, Sehnsucht haben wir, aber wir haben keine Hoffnung, wir haben uns resigniert hingesetzt - man kann ja doch nichts machen - und harren der Dinge, die da kommen, bzw. nicht kommen. Der Grund der Hoffnungslosigkeit unserer Welt liegt m. E.  darin, daß die meisten Menschen hier in unserem Land sich immer weiter von Christus entfernen. Wenn Christus sagt: Wer da dürstet, der komme zu mir (Joh. 7, 37) oder  ...wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, dem wird ewiglich nicht dürsten... (Joh. 4, 13) oder  ... nehmet hin und trinket, das ist mein Blut, das für euch gegeben wird zur Vergebung eurer Sünden... dann sagen viele: „Ich glaube nicht an Gott. Ich glaube nicht an das, was in der Bibel steht.“ Die Menschen unserer Tage stehen vor dem Brunnen des Lebens und sehen ihn nicht, weil sie nicht daran glauben. Sie laufen mit geschlossenen Augen durch die Zeit und sagen: „Ich glaube nur an das, was ich sehe!“ Sie sehen Christus nicht, oder wollen ihn vielleicht auch nicht sehen, weil sie sonst ihre bisherige Blindheit eingestehen müßten. Sie sehen nicht, wie Christus mit ausgebreiteten Armen am Wegrand ihres Lebens steht und ihnen zuruft: Kommet her zu mir alle, die ihr mit Mühen und Sorgen des Lebens beladen seid, ich will euch erquicken, d. h. ich will euch neue Kraft und neuen Mut, neue Freude und neue Zufriedenheit geben.   Sehen Sie Christus an ihrem Wegrand stehen und hören Sie, wie er Ihnen zuruft?

„Ich habe Durst nach diesem Wasser,“ sagte der kleine Prinz, „gib mir zu trinken...." Das ist es, liebe Schwestern und Brüder, das ist genau die Bitte, zu der wir uns durchringen müssen: „Christus, gib uns vom Wasser des Lebens zu trinken. Ich habe Durst!“ Solange wir dazu nicht fähig sind, haben wir nicht genug Durst, geht es uns vielleicht noch zu gut. Glauben wir mehr an uns, als an Gott. Wir nehmen

Literweise „Oil of Olaz“ und andere „Feuchtigkeits Creme“, damit unsere Haut nicht austrocknet und merken nicht, wie unsere Seele immer mehr vertrocknet. Was tun Sie gegen das Vertrocknen Ihrer Seele? Sind Sie auch so ein Mensch, der von außen gepflegt und propper aussieht, innerlich aber längst vertrocknet und abgestorben ist? Lassen Sie sich sagen: Tote laufen haufenweise durch unsere Welt und in unserer Gemeinde herum, aber von den Lebenden gibt es nicht allzuviele; denn leben tut nur der, der von der Quelle des Lebens trinkt, der bei Christus ständig neu auftankt. Welche Rolle spielt Christus in Ihrem Leben?

Ich war früher auch mal so dumm und glaubte, ohne Christus auskommen zu können. Für mich waren Schule, Arbeit, Freizeit, Vergnügen, Pauken und Weiterkommen auch einmal das, was mein Leben bestimmte, und für Christus war kaum Platz und Zeit darin. Ich war dabei nicht unbedingt unglücklich, aber ich war selten zufrieden. Ich wußte nicht was, aber irgendwie fehlte in meinem Leben etwas, etwas Entscheidendes.  Heute weiß ich, was das war. Mir fehlte die Quelle des Lebens. Mir fehlte der Brunnen, der mir immer wieder neuen Mut gab, der mich immer wieder glücklich werden ließ. Seit ich Christus gefunden habe, weiß ich auch, was für ein „Dösbattel“ ich damals war.

Saint Exupéry beschreibt es so: Es war süß wie ein Fest. Dieses Wasser war etwas ganz anderes als ein Trunk. Es war entsprungen aus dem Marsch unter den Sternen, aus dem Gesang der Rolle, aus der Mühe meiner Arme. Es war gut fürs Herz, wie ein Geschenk.....

Da steht Christus auf der Straße Ihres Lebens, liebe Schwestern und Brüder, ruft Ihnen zu: Wenn Du Durst hast, dann komme zu mir und trinke! Er lädt Sie ein, einmal auf dem Weg Ihres Lebens, mitten in der Hetze des Alltags, innezuhalten, neu aufzutanken. Alle Ihre Sorgen, alle Ihre Angst, alle Ihre Not, all Ihr Leid, alle Ihre Traurigkeit dürfen Sie bei ihm abladen. Alles das, was auf  dem Marsch unter den Sternen sich angesammelt hat, also alles, was Sie in Ihrem Leben belastet, wird er Ihnen abnehmen.  Mehr noch, Christus verspricht Ihnen sogar: Wer an mich glaubt, wie die Schrift es sagt, von des Leib werden Ströme des lebendigen Wassers fließen. Ich finde, das ist das Schönste, das es auf der Welt gibt, wenn ich einen Menschen glücklich machen kann. Und genau das verspricht Christus uns. Wenn wir aus seiner Lebensquelle getrunken haben, ich meine richtig

getrunken und nicht nur hin und wieder  daran  genippt  haben,  dann  werden  wir  immer  wieder  das Verlangen nach dieser erfrischenden Kraft haben. Ja, wer ihn, Christus, in sich aufgenommen hat, in seinem Leben einen festen Platz gegeben hat, der kann anderen vom Wasser des Lebens abgeben, der kann anderen Menschen Trost und Freude, Glück und Zufriedenheit und vor allem Liebe geben.

Erinnern Sie sich noch an den Spruch zu Beginn des Gottesdienstes? (Gottes Liebe ist wie ein Wasserhahn. Je weiter ich ihn aufdrehe, desto stärker sprudelt er.) Was meinen Sie wohl, wie viele Menschen darauf warten, daß Sie ihnen etwas von der Liebe, die Sie von Gott bekommen, abgeben?  Ich wünsche Ihnen, dass Sie diese Quelle finden und ich wünsche Ihnen, dasss Sie vielen Menschen dann etwas von Ihrem Glück abgeben, d. h., daß Sie den Wasserhahn der Liebe Gottes in Ihrer Familie und in Ihrer Umgebung ganz groß aufdrehen. Gott gebe Ihnen allen, liebe Schwestern und Brüder,  Freude und Kraft für diese lebensentscheidende Aufgabe.       Amen.

Fürbittengebet:

Du treuer Gott, woher nehmen wir den Mut, immer wieder zu dir zu rufen und dich zu bitten? Weil deine Güte jeden Morgen neu ist!

Herr, wir sind dankbar und getrost, daß auch diese neue Woche in deinen Händen liegt. Ohne dich müßten wir mutlos bleiben und das graue Einerlei des Alltags mit seinem Jagen und Gejagt werden, seinen schweren Gedan­ken und drückenden Sorgen wäre nicht auszuhalten.

So aber dürfen wir Hoffnung haben für jeden Tag, den du uns schenkst. In diese Hoffnung schließen wir alle ein, die wir liebhaben, in der Nähe und in der Ferne -  aber auch alle, die uns das Leben schwermachen;

- alle, die etwas zu sagen haben in dieser Welt;

- aber auch alle, die nichts zu melden haben, weil sie arm und unwichtig und vergessen sind; - alle, die ihre Verantwortung ernst nehmen für die Menschen, die ihnen anvertraut sind; - aber auch alle, die verantwortungslos in den Tag hineinleben und die Not anderer leicht nehmen. Wir dürfen Hoffnung haben für die Häuser in unserer Gemeinde, in denen Unfrieden ist: - für die Ehepaare, die sich nicht vertragen, daß sie bereit sind, wieder mit­einander zu reden; - für die Eltern und Kinder, die nicht in der rechten Liebe

 

miteinander um­gehen, daß sie sich gegenseitig als Gabe und Aufgabe erkennen. Wir dürfen Hoffnung haben für die Einheit deiner Gemeinde in der Welt. Weite uns den Blick für die gemeinsame Sache aller Christen und lehre uns, unsere Aufgaben gemeinsam zu entdecken und anzupacken. Laß den Wil­len zum Miteinander stärker sein als alle unüberwindlich scheinenden Ge­gensätze. Für uns selbst dürfen wir Hoffnung haben, daß du uns veränderst und bereit machst, in Frieden und Versöhnung miteinander zu leben, wie Jesus es uns vorgelebt hat.

In seinem Namen rufen wir dich an:    Vaterunser...


 

 

 

 

Predigt zum MoGo Hamburg am 26. Juni 2011

gehalten von Pastor Erich Fehling

Thema : Follow me, Lk 18, 18 - 27

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn, Jesus Christus. Amen.

Ich beginne die Predigt mit einem meiner Lieblingswitze zum Thema „Glauben“. Der geht so:

Oma ruft ihren Enkel an und beschwert sich: Karl-Otto, ich hab schon wieder nicht im Lotto gewonnen. Karl-Otto etwas entnervt: Oma, nun bist Du schon 91 und hast ja auch noch nie im Lotto gespielt. Oma daraufhin ungerührt: Karl-Otto, und sag ich Dir nicht schon all die Jahre:

beim lieben Gott ist kein Ding unmöglich.

Oma bezieht sich mit diesem Satz auf eine Geschichte, die im Neuen Testament erzählt wird. Der Evangelist Lukas hat sie aufgeschrieben und sie geht so:

    18 Ein junger, reicher Mann fragt einmal Jesus: »Du bist ein guter Lehrer, sag mir, was ich tun muss, um das ewige Leben zu bekommen ?«

    19 Jesus antwortet: »Gottes (Vers 20) Gebote kennst du doch: Nicht die Ehe brechen, nicht morden, nicht stehlen, nichts Unwahres über deinen Mitmenschen sagen; Vater und Mutter ehren!«

    21 Sagt der junge Mann: »Diese Gebote habe ich alle von Jugend an befolgt«

    22 Sagt Jesus zu ihm: »Eines fehlt dir noch: Verkauf alles, was du hast, und verteil das Geld an die Armen, so wirst du bei Gott einen unverlierbaren Besitz haben. Und dann komm und folge mir!«

    23 Da wird der Mann sehr traurig, denn er ist überaus reich.

    24 Und Jesus sieht ihn so dastehen und sagt zu den Jüngern: »Wie schwer haben es doch die Besitzenden, in die neue Welt Gottes zu kommen!

    25 Eher kommt ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein Reicher in den Himmel.«

    26 Als die anderen Menschen das hören, fragen sie Jesus: »Wer kann dann überhaupt gerettet werden ?«

    27 Da sagt Jesus: »Was für die Menschen unmöglich ist, das ist für Gott möglich.«Beim lieben Gott ist kein Ding unmöglich.

Das ist so besonders an Gott: Menschen scheitern an ihren Hürden. Aber Gott weiß dort, wo wir scheitern, einen Weg, der bis zum Himmel führt. Eine Grenzgeschichte. Aber nicht, um an der Grenze auszusortieren, sondern um an der Grenze Mut zu machen. Mut, sich zu entscheiden. Und Mut, selbst noch an so einer Grenze Gott zu vertrauen.

Gott geht es in dieser Geschichte nicht um Moral. Natürlich ist es schön, wenn Reiche ihren Besitz in die gute Sache der Kirche und der Armen stellen. Danke allen Spendern, allen Sponsoren, die das bei uns und an anderen Stellen tun. Aber in dieser Geschichte geht es nicht um Spenden-Aquise; kein moralischer Anspruch. Es geht um die weitere Dimension des Lebens.

Oben, die Dimension des Himmels wird dem jungen Mann hier angeboten. Und er hat Sehnsucht danach. Und er merkt, diese Sehnsucht wird nicht so einfach erfüllbar sein. Denn – vielleicht ist das schwer zu hören – in Bezug auf den Himmel geht es wie ums Erwachsenwerden in einer weiteren Dimension. Spiel nicht mehr rum mit Deinem Leben, scheint Jesus zu sagen. Sondern übernimm Verantwortung über Dich selbst hinaus. Handle nicht mehr wie Kind, dass nur älter und reich geworden ist; wie ein Kind, das sein Taschengeld erst festhält und dann fest in den Markt drückt, frei nach dem Motto „es brannte mir in der Hosentasche“. Du sollst nicht mehr leben aus dem, was du hast. Sondern lebe als das, was du bist. Du bist ein nach Himmel sehnsüchtiger Mensch, dem ein Weg eröffnet wird. Dieser Weg zur himmlischen Dimension des Lebens gewinnt Freiheit durch Loslassen, wird himmlisch leicht, wo Ballast abgeworfen wird. Und noch mal zurück zum Ende des Textes: Vertraue auf Gottes Möglichkeiten, die unsere Unmöglichkeiten übersteigen:

Bei Gott sind alle Dinge möglich.

Diesen Satz würde ich gerne im Herzen behalten; als Freiheit, wenn auch nicht als Freifahrtschein. Freiheit. Hier setzt das Motto des diesjährigen MOGO an: Follow me. Folge mir in die Freiheit. Der junge Mann wollte nachfolgen. Er sehnt sich nach der Freiheit des Himmels. Jesus lädt ihn dazu ein: Follow me. Und er macht ihm klar, es ist nicht einfach nur mal ein Spaziergang nach dem Motto, das hätte ich auch noch gern. Sondern es ist eine Entscheidung, die das Leben verändert. Veränderung zum Guten. Sie passiert hier nicht, noch nicht. Denn der junge Mann gibt früh auf. Was mag er alles besessen haben ? Ein schönes Haus, Vermögen, einen chromglänzenden, pferdestarken Streitwagen ? Was es auch war: Nicht nur er hat es besessen. Es hat auch ihn besessen, besetzt. Er ist nicht frei. Diese Entscheidung ist ihm zu einschneidend. Nachfolge als Hobby wäre für ihn ok. gewesen. Aber das, was Jesus anbietet, nämlich dem Leben eine neue Dimension zu geben, das geht ihm zu weit. So weit ist er (noch) nicht. Vielleicht kommt er nie dorthin.

Und die Jünger, die Menschen, die drum herum stehen, die die Begegnung zwischen Jesus und dem Reichen voller Spannung verfolgt haben, sind ein bisschen enttäuscht, aber ein bisschen auch entsetzt. Ihnen wird schlagartig noch einmal selbst klar, auf welche Dimension sie sich eingelassen haben. Jesus meint es ernst, kein Spielkram. Und sie fragen sich sicher selbst – und wie stehe ich dazu ? Follow me, Nachfolge; ein heißes Thema in Bezug auf das Leben, auf die Seele. Wem folge ich, wessen Wahrheit vertraue ich, welches Lebenskonzept schlägt mich in seinen Bann ?

Gucken wir mal auf uns als Motorradfahrer, z.B. im Konvoi. Nicht gleich die 30.000 heute, sondern die kleine Reisegruppe durch die Alpen. Wer ist der Guide, wem folge ich ? Und wenn die 7 vor mir den Lkw überholt haben, bleibe ich an der Gruppe dran ? Auch wenn es eng wird ? Nicht wenige sind dabei schon tödlich verunglückt. Follow me – in den Tod. Oder politische Überzeugungen, besonders an den Rändern des Spektrums: Wem folge ich, welcher Weltanschauung, wann sind meine Tabus erreicht ? Oder so ein harmloses Thema, wie alltäglicher Konsum. Follow me in den Supermarkt, in die Geiz ist geil Ecke. Kann man noch heil leben, wenn man sich und andere so schwer verletzen lässt ?

Konvoi mit Jesus ist anders. Follow me, sagt Jesus zu dem reichen Jüngling und hat dabei ja gar nicht sein Geld im Blick, sondern seine Seele. Der Mann will leben, und Jesus lädt ihn zum Leben ein. Das Geld ist nur Symbol für das, was den Reichen vom Leben trennt. Vielleicht könnte er reich bleiben, wenn er nur die neue Dimension annehmen würde. Vielleicht wäre ihm sein Geld aber auf einmal auch egal.

Jesus lädt ihn ein. Aber er bleibt blind auf seiner alten Spur. Es geht Jesus nicht ums Geld. Es geht ihm um die Entscheidung. Es geht ihm um einen kleinen Schalter der Seele, der so schwer umzulegen ist. Willst du leben, fragt er. Nicht aus dem, was du hast, sondern aus dem, was Gott in dir sieht. Du sollst nicht fromm werden, sondern frei. „Frei“ wie „frei aufgehängt“ zwischen Himmel und Erde, am Himmelsfaden der Liebe Gottes. Und alles andere, ob reich oder arm, käme erst danach. Aber er traut sich nicht. Follow me ist ihm zu schwer. Er hätte sich auf jedes Motorrad dieser Welt gesetzt, wenn Jesus das verlangt hätte, er hätte statt 14 eben 16 Stunden am Tag gearbeitet. Er wäre Spender größter Summen geworden. Aber Vertrauen in die andere Dimension, das macht ihm Angst. Dieses Schweben auf dem luftleichten, himmlischen Versprechen der Liebe Gottes ist ihm zu absturzgefährdet.

Ich kann ihn übrigens verstehen. Auch in meinem Leben ist das Thema Vertrauen sehr anspruchsvoll. Aber ich hab Sehnsucht danach, das kann ich Euch sagen. Und ich glaube, Jesus in unserer Geschichte kennt diese Sehnsucht. Deshalb tröstet er die erschrockenen Jünger mit diesem „bei Gott sind alle Dinge möglich“. Das ist kein Freifahrt-Schein. Aber es ist der Hinweis darauf, dass wir eine Chance behalten, auch wenn wir zunächst noch an unseren Grenzen stecken bleiben. Gott ist nicht Julius Cäsar, der wie in einem Hollywood-Film im Kolosseum steht und den Daumen hebt oder senkt. Gott ist ein Liebender der Welt, der sein Follow me möglicherweise mit derselben Sehnsucht ausspricht, wie wir den Himmel gerne als Ziel fürs Leben hätten. Und falls das stimmt, was ich sage, dass nämlich nicht nur wir, sondern auch Gott sehnsüchtig wäre, dann liegt darin für mich eine wunderbare Hoffnung darauf, dass wir irgendwie zusammenkommen können. Dass das Follow me am Ende doch klappen wird, dass die himmlische Dimension erreichbar ist, auch wenn wir uns eine Zeitlang mit dem Vertrauen schwer tun.

Follow me – Gott lädt uns ein. Es ist nicht egal, wie wir uns entscheiden. Denn es geht um die Sehnsucht nach Leben und Himmel. Fühlt Euch von einem sehnsüchtigen Gott eingeladen, Eure Sehnsucht nach Leben himmlisch stillen zu lassen.

Amen.